September 1969

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1.9.1969, Montag

Eine Offiziersgruppe unter Führung von Umar Muammar al Gaddafi stürzt in Libyen König Idris I.

In Brasilien wird Staatspräsident Arturo da Costa e Silva durch das Militär entmachtet.

Nach einer Änderung des 175 ist Homosexualität unter Erwachsenen in der Bundesrepublik Deutschland künftig straffrei.

In einer Rundfunk- und Fernsehansprache zum 30. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs fordert Bundespräsident Gustav Heinemann eine Aussöhnung mit Polen. Zugleich spricht er sich für eine verstärkte wissenschaftliche Friedens- und Konfliktforschung aus.

In Bremen wird Rainer Werner Fassbinders Stück “Das Kaffeehaus” (nach Goldoni, 1743) uraufgeführt. Regie führt der Autor selbst zusammen mit Peer Raben.

2.9.1969, Dienstag

Mit einem Ausstand von Stahlarbeitern in Dortmund bricht in der Bundesrepublik Deutschland eine Streikwelle (“Septemberstreiks”) aus. Mit diesen von den Gewerkschaften nicht kontrollierten, sog. wilden Streiks erkämpfen die Arbeiter Lohnerhöhungen.

Frankreich zieht seine seit 1967 in der Zentralafrikanischen Republik stationierten Truppen ab. Damit verbleiben in Afrika nur noch im Tschad französische Einheiten, deren Stärke auf rund 1600 Mann geschätzt wird.

In den Münchener Kammerspielen wird unter der Regie von Peter Zadek Edward Bonds Stück “Schmaler Weg in den tiefen Norden” (“Narrow Road to the Deep North”) erstmals im deutschsprachigen Raum aufgeführt. Die Uraufführung fand am 24. Juni 1968 in Coventry (Großbritannien) statt.

3.9.1969, Mittwoch

In Frankfurt am Main nimmt die Bundesstelle für Entwicklungshilfe ihre Arbeit auf. Die von Theodor Winter geleitete neue Bundesbehörde ist für die sog. Technische Hilfe (z. B. Organisation, Planung) bei Entwicklungshilfeprojekten zuständig.

Der vietnamesische Staatschef Ho Chi Minh stirbt im Alter von 79 Jahren in Hanoi.

Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing gibt eine Reihe kurzfristiger Maßnahmen im Zuge der am 8. August beschlossenen Abwertung des Franc bekannt. u.a. durch staatliche Ausgabenkürzungen und der Inlandsnachfrage soll das wirtschaftliche Gleichgewicht wiederhergestellt werden.

4.9.1969, Donnerstag

Nach einer Sondersitzung in Bonn erklären die Innenminister und -senatoren der Bundesländer, den Einsatz von bewaffneten Ordnertrupps bei Parteiveranstaltungen künftig “mit allen polizeilichen Mitteln” zu unterbinden. Uniformierte bewaffnete Ordner der NPD waren u.a. in Frankfurt am Main brutal gegen Demonstranten vorgegangen.

5.9.1969, Freitag

Im Austausch gegen den am 4. September entführten US-amerikanischen Botschafter Charles Burke Elbrick lässt die brasilianische Regierung 15 politische Häftlinge frei. Den Häftlingen – unter ihnen der seit 1964 inhaftierte 70-Jährige Kommunistenführer Gregorio Bezerra – wird in Mexiko politisches Asyl gewährt. Nach dem Eintreffen der Oppositionellen in Mexiko wird Elbrick am 7. September wieder freigelassen.

In Portsmouth endet die am 1. September begonnene Jahrestagung des britischen Gewerkschaftsdachverbandes TUC. Die Delegierten, die rund 9 Millionen Mitglieder vertreten, beziehen mehrfach gegen die Politik der regierenden Labour-Partei Stellung. Die britischen Gewerkschaften und die Labour-Partei sind traditionell eng verbunden.

Auf ihrem achten Ordentlichen Gewerkschaftstag in Wiesbaden fordert die Industriegewerkschaft Chemie, Papier, Keramik von der Bundesregierung die Überführung von Kreditinstituten in Gemeineigentum.

Als erste Frau der Welt durchbricht die DDR-Leichtathletin Karin Balzer die 13-Sekunden-Grenze auf der 100-m-Hürden-Strecke. Mit 12,9 sec verbessert sie in Berlin (Ost) ihren erst am 27. Juli aufgestellten Weltrekord um 0,1 sec.

6.9.1969, Samstag

In Istanbul beginnt die XXI. Internationale Konferenz des Roten Kreuzes (bis 13.9.). Die Delegierten fordern in einer Resolution die Einberufung einer diplomatischen Konferenz zur Weiterentwicklung des humanitären Völkerrechts.

Der sowjetische Außenminister Andrei A. Gromyko beendet einen fünftägigen Besuch in Jugoslawien. Nach Angaben Gromykos wünscht die Sowjetunion eine Verbesserung der Beziehungen zu Jugoslawien.

7.9.1969, Sonntag

Den Großen Preis von Italien in Monza gewinnt der britische Formel-1-Rennfahrer Jackie Stewart auf Matra. Damit sichert er sich vorzeitig die Weltmeisterschaft.

8.9.1969, Montag

Bei den Parlamentswahlen in Norwegen (7./8.9.) erringt die regierende bürgerliche Koalition unter Ministerpräsident Per Borten einen hauchdünnen Sieg. Sie verzeichnet 76 Mandate gegenüber 74 Mandaten für die Sozialdemokraten. Lange Zeit hat es nach einem Patt bei den 150 zu vergebenden Sitzen ausgesehen.

Israel ratifiziert die am 14. September 1963 von 16 Staaten unterzeichnete sog. Tokio-Konvention über Straftaten, begangen in Flugzeugen. Da Israel als zwölfter Staat ratifiziert, tritt die Konvention nunmehr in Kraft.

Nach Abschluss des Besuchs einer Regierungsdelegation in Kambodscha (seit 31.8.) unterzeichnen die DDR und Kambodscha u.a. ein Abkommen über wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit. Kambodscha hatte am 10. Juni die diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland abgebrochen.

Zu einem Volksaufstand kommt es in der süditalienischen Stadt Caserta, nachdem die örtliche Fußballmannschaft vom italienischen Fußballverband zu einem Zwangsabstieg verurteilt wurde. Tausende von Beschäftigten legen nach Bekanntwerden der Entscheidung die Arbeit nieder und kommen zu Protestkundgebungen zusammen. Dabei wird u.a. der Bahnhof blockiert. Hintergrund des Zwangsabstiegs ist der Vorwurf, die Mannschaft habe sich den Sieg in einem wichtigen Spiel durch Bestechung erkauft.

9.9.1969, Dienstag

Mit einem Sieg bei den offenen US-amerikanischen Tennismeisterschaften in Forest Hills erreicht der Australier Rod Laver zum zweiten Mal in seiner Laufbahn den sog. Grand Slam.

Bei der Kollision eines Düsenverkehrsflugzeugs vom Typ DC 9 mit einer Privatmaschine kommen bei Indianapolis (US-Bundesstaat Indiana) 83 Menschen ums Leben. Die DC 9 befindet sich auf dem Anflug zum Flughafen von Indianapolis, als sie in etwa 1000 m Höhe am Heck gerammt wird.

Der französische Staatspräsident Georges Pompidou stattet der Bundesrepublik Deutschland als erstem Land nach seiner Amtsübernahme einen Besuch ab. Dabei wird zwischen beiden Staaten eine Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit vereinbart.

Israelische Land-, Luft- und Seestreitkräfte greifen Ägypten in einem 50 km langen Abschnitt südlich von Suez an. Es handelt sich um den schwersten Angriff seit dem Suezkrieg 1967.

10.9.1969, Mittwoch

In den Bergen Colorados lässt die US-Atomenergiekommission (AEC) eine unterirdische Atomexplosion auslösen, um ein in Sandstein eingeschlossenes Naturgasvorkommen zu erschließen. Die am Ende eines 2542 m tiefen Schachtes vorgenommene Explosion erreicht die Sprengkraft von 40 Kilotonnen TNT. Sie wurde in Zusammenarbeit mit Privatunternehmen durchgeführt.

11.9.1969, Donnerstag

Hartmut Langes Stück “Die Gräfin von Rathenow” wird im Kölner Schauspiel uraufgeführt. Die Inszenierung stammt von Hansgünther Heyme.

12.9.1969, Freitag

In einem vom stellvertretenden sowjetischen Außenminister Wladimir S. Semjonow überreichten “Aide-mémoire” (knappe schriftliche Zusammenfassung eines Sachverhalts im diplomatischen Verkehr) schlägt die Sowjetunion der Bundesregierung in Bonn u.a. die Aufnahme von Gesprächen zum Thema Gewaltverzicht vor.

Als erster Bundeskanzler tritt Kurt Georg Kiesinger (CDU) einen viertägigen Afghanistan-Besuch an. Die afghanische Regierung in Kabul verfolgt einen politisch neutralistischen Kurs.

Zu einer überraschenden Besprechung mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Zhou Enlai trifft der sowjetische Außenminister Alexander N. Kossygin in Peking ein. Es ist seit viereinhalb Jahren das erste Treffen führender Politiker der beiden kommunistischen Staaten.

13.9.1969, Samstag

Im Amsterdamer Rijksmuseum beginnt eine vielbeachtete Ausstellung mit Werken des niederländischen Malers, Zeichners und Radierers Rembrandt (eigtl. R. Harmensz van Rijn; bis 9.12.). Zu sehen sind 21 Gemälde und 120 Zeichnungen, darunter das Selbstbildnis im Todesjahr “Opfer Abraham”. Anlass der Schau ist der bevorstehende 300. Jahrestag von Rembrandts Tod am 6. Oktober 1669.

14.9.1969, Sonntag

Nach einer Verfassungsänderung kann der 1961 durch einen Militärputsch an die Macht gekommene südkoreanische Staatschef Park Chung Hee 1971 für eine dritte Amtszeit kandidieren.

15.9.1969, Montag

Die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft einigen sich in Brüssel auf die Einberufung einer Gipfelkonferenz der Staats- bzw. Regierungschefs.

Der US-amerikanische Tanker “Manhattan” durchfährt die sog. Nordwest-Passage durch den Kanadisch-Arktischen Archipel in der Begleitung zweier kleiner Eisbrecher.

Das Papyrusboot “Ra” des norwegischen Forschers Thor Heyerdahl übersteht die geplante Atlantik-Überquerung nicht.

16.9.1969, Dienstag

Bundesaußenminister Willy Brandt (SPD) erklärt die grundsätzliche Bereitschaft der Bundesregierung, an einer vom Ostblock vorgeschlagenen Europäischen Sicherheitskonferenz teilzunehmen. Allerdings müssten nach Ansicht der Bundesregierung an einer solchen Konferenz auch die USA und Kanada beteiligt werden.

Der französische Ministerpräsident Jacques Chaban-Delmas gibt vor der Nationalversammlung in Paris eine Regierungserklärung über das vorgesehene Sanierungsprogramm ab. Das Programm, das u.a. höhere Ausgaben für Bildung, eine Modernisierung und Rationalisierung der Verwaltung sowie eine Verbesserung der nationalen Wettbewerbsfähigkeit vorsieht, wird von den Mitgliedern der Nationalversammlung mit 369 gegen 85 Stimmen bei acht Enthaltungen gebilligt.

Bei einer Protestdemonstration gegen die rechtsextreme NPD und ihren Vorsitzenden Adolf von Thadden in Kassel werden zwei Demonstranten durch Schüsse verletzt. Nach Augenzeugenberichten kann sich der Täter in das Haus eines NPD-Landtagsabgeordneten zurückziehen und dann entkommen.

Zu einem Eklat kommt es bei den in Athen beginnenden Europameisterschaften der Leichtathleten, die bis zum 21. September dauern. Trotz einer satzungsgemäßen Sperre wollte die bundesdeutsche Mannschaft einen Start des früheren DDR-Athleten Jürgen May durchsetzen. Nach vergeblichen Bemühungen entscheidet sich die Mannschaft für einen Teilboykott der Titelkämpfe.

17.9.1969, Mittwoch

Nach einem am Vortag gescheiterten Spitzengespräch im öffentlichen Dienst finden erstmals Streiks im kommunalen Bereich statt. In Duisburg treten 200 Arbeiter der Müllabfuhr in den Ausstand. In den folgenden Tagen kommt es zu weiteren kurzfristigen Streiks im Bundesgebiet und in West-Berlin.

18.9.1969, Donnerstag

In der National Gallery in Washington beginnt eine Ausstellung deutscher Expressionisten (bis 19.10.). Zu sehen sind Werke von Vertretern der wichtigsten Strömungen des Expressionismus (“Brücke”, “Blauer Reiter”, “Neue Sachlichkeit”), vertreten durch Karl Schmidt-Rottluff, Ernst Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, August Macke, Franz Marc und Otto Dix. 72 der ausgestellten Bilder stammen aus dem Kölner Wallraf-Richartz-Museum, die übrigen größtenteils aus US-amerikanischem Privatbesitz.

In New York beginnt die XXIV. Session der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN). Zur Präsidentin während der Sitzungsperiode wird die liberianische Diplomatin Angie Brooks gewählt. Damit wird zum zweiten Mal eine Frau Präsidentin der UN-Vollversammlung.

19.9.1969, Freitag

Dem in New York veröffentlichten Jahresbericht von UN-Generalsekretär Sithu U Thant an die UN-Vollversammlung zufolge hat sich die internationale Lage weiter verschlechtert. U Thant bezeichnet das Schicksal der Palästina-Flüchtlinge als eines der dringendsten internationalen Probleme. Außerdem weist er darauf hin, dass auf dem Gebiet der Abrüstung kaum Fortschritte erzielt worden seien.

20.9.1969, Samstag

Das bolivianische Parlament billigt ein am 8. September von der Regierung beschlossenes Gesetz zur Bodenreform. Danach ist sowohl eine kollektiv als auch eine privat betriebene Landwirtschaft möglich. Zugleich regelt das Gesetz die Zusammenarbeit der staatlichen, genossenschaftlichen und privaten Landwirtschaft.

In Paris wird die linksgaullistische Union démocratique du travail (UDT) von René Capitant und Louis Vallon wiedergegründet. Die UDT versteht sich als Organisation der gaullistischen Opposition gegen Georges Pompidou. Die ursprüngliche Partei war 1962 in der Vereinigung der orthodoxen De-Gaulle-Anhänger aufgegangen.

Die DDR beendet mit elf von 38 möglichen Titeln als erfolgreichster Verband die neunten Leichtathletik-Europameisterschaften in Athen. Neun Titel fallen an die Sowjetunion. Bei den Titelkämpfen werden insgesamt sechs Weltrekorde erzielt.

Der Belgier Jackie Ickx gewinnt auf Brabham den Großen Preis von Kanada für Formel-1-Rennwagen in Mosport. Auf der 356,2-km-Strecke erreicht er eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 178,933 km/h.

21.9.1969, Sonntag

In einem Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel trennen sich Österreich und die Bundesrepublik Deutschland in Wien 1:1.

22.9.1969, Montag

Eine vier Wochen zuvor ausgebrochene Cholera-Epidemie in Südkorea hat bislang 79 Todesopfer gefordert. Von den insgesamt 794 erkrankten Personen haben sich inzwischen rund 600 wieder erholt.

In der marokkanischen Hauptstadt Rabat beginnt eine dreitägige pan-islamische Gipfelkonferenz. Nach dem Brand der Al-Aksa-Moschee erörtern Delegationen aus 25 islamischen Staaten den Schutz islamischer Heiligtümer in Jerusalem.

23.9.1969, Dienstag

Die Nationalversammlung von Nordvietnam wählt den bisherigen Vizepräsidenten des Landes, Ton Duc Thang, zum Präsidenten und Nachfolger des am 3. September verstorbenen Ho Chi Minh. Die Abgeordneten folgen damit einer Willensbekundung Ho Chi Minhs aus dem Jahr 1960.

In Basel wird “Margarete in Aix” – ein Stück des DDR-Dramatikers Peter Hacks – uraufgeführt. Die bundesdeutsche Erstaufführung findet am 8. November parallel in Göttingen und Wuppertal statt.

24.9.1969, Mittwoch

In Arusha (Nordost-Tansania) wird ein neues Assoziierungsabkommen zwischen der EWG und der Ostafrikanischen Gemeinschaft (Tansania, Uganda, Kenia) unterzeichnet. Ein erstes, im Juli 1968 unterzeichnetes Abkommen war durch die europäischen Staaten nicht rechtzeitig ratifiziert worden.

In Österreich einigen sich die Bundeskammer der Gewerblichen Wirtschaft und der Österreichische Gewerkschaftsbund auf die stufenweise Einführung der 40-Stunden-Arbeitswoche. Danach wird die Arbeitszeit ab 1. Januar 1970 von 45 auf 43 Stunden, ab 1. Januar 1972 auf 42 Stunden und ab 1. Januar 1975 auf 40 Stunden reduziert. Ein von den österreichischen Sozialdemokraten veranlasstes Volksbegehren zur Einführung der 40-Stunden-Woche war im Mai von knapp 900 000 Wahlberechtigten unterzeichnet worden.

In Sofia gewinnt die deutsche Fußballnationalmannschaft ein Länderspiel gegen Bulgarien mit 1:0.

25.9.1969, Donnerstag

An der Deutschen Oper Berlin (West) wird die Oper in drei Bildern und einem Epilog “200 000 Taler” von Boris Blacher uraufgeführt. Die musikalische Leitung hat Heinrich Hollreiser, Regie führt Gustav Rudolf Sellner. Das Libretto schrieb Boris Blacher (nach Scholem Alejchem).

Aufgrund einer anhaltenden DM-Spekulation werden die deutschen Devisenbörsen bis zur Bundestagswahl geschlossen.

Die seit dem 18. September anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems in Städten des westindischen Bundesstaats Gujarat haben über 1000 Todesopfer sowie über 2000 Verletzte gefordert. Durch Niederbrennen von Häusern wurden über 10 000 Personen obdachlos. Die Hauptstadt Ahmedabad wurde im Zuge dieses blutigsten Religionskonfliktes seit 1947 von Truppen besetzt.

26.9.1969, Freitag

In Bolivien wird Staatspräsident Luis Adolfo Siles Salinas durch einen Militärputsch gestürzt. Neuer Machthaber wird der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Alfredo Ovando Candia, als Chef einer dreiköpfigen Militärjunta. Das neue Kabinett besteht aus linksorientierten Fachleuten und Intellektuellen.

Die norwegische Regierung erlässt einen sofortigen Preisstopp. Begründet wird die Maßnahme mit Preissteigerungen, die als Vorwegnahme des Übergangs zur Mehrwertsteuer (ab Januar 1970) interpretiert werden.

Im Wiener Volkstheater wird “Change” – ein Stück des 28-Jährigen österreichischen Dramatikers Wolfgang Bauer uraufgeführt. Das Stück handelt von Frustrationen und psychologischem Terror in Künstlerkreisen.

27.9.1969, Samstag

Im Rahmen eines Leichtathletik-Länderkampfes zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien in Hamburg (bis 28.9.) verbessert Liesel Westermann ihren eigenen Diskus-Weltrekord um 1,26 m auf 63,96 m. Den vor nur 8000 Zuschauern stattfindenden Länderkampf – ein großer Teil der stärksten Athleten fehlt – gewinnt bei den Frauen Großbritannien, bei den Männern die Bundesrepublik.

28.9.1969, Sonntag

Bei den Wahlen zum sechsten Deutschen Bundestag bleibt die CDU/CSU stärkste Fraktion. Als einzige der im Bundestag vertretenen Parteien verzeichnet die SPD Stimmengewinne. Das Wahlergebnis lässt die Bildung einer SPD/FDP-Koalition zu.

29.9.1969, Montag

Im Seebad Brighton beginnt die Jahreskonferenz der britischen Labour-Partei (bis 3.10.). Zu den wichtigsten Themen zählen die Frage eines britischen EWG-Beitritts und die damit verbundenen sozialen Konsequenzen. Am 2. Oktober fordern die Delegierten die Regierung in einer Resolution auf, bei einem etwaigen Beitritt auf angemessene Sicherungen für Zahlungsbilanz, Lebenskosten und das System sozialer Sicherheit zu achten sowie die Fähigkeit zu unabhängigen außen- und wirtschaftspolitischen Entscheidungen zu bewahren.

30.9.1969, Dienstag

Nach der Freigabe des Wechselkurses steigt der Kurs der DM an den internationalen Devisenbörsen um durchschnittlich 4%. In seiner ersten Sitzung nach den Bundestagswahlen einigte sich das Kabinett in Bonn am Vortag auf eine vorübergehende Freigabe des Devisenmarktes. Um drohende Nachteile für die Landwirtschaft aufzufangen, wird eine Einfuhrabgabe für landwirtschaftliche Produkte beschlossen.