»Entfernung des Ornaments aus dem Gebrauchsgegenstand«

Politik und Gesellschaft 1913:

Nachdem die formgebende Bedeutung des Jugendstils langsam an Einfluss verliert, wird in Design und Innenarchitektur eine homogene, dem modernen Leben entsprechende Gestaltung der menschlichen Umwelt angestrebt. Entscheidende Ansatzpunkte dazu liefern Designer im Deutschen Reich, wo um die Jahrhundertwende bereits die Jugendstil-Ornamentik zur Erneuerung in Kunsthandwerk und Raumausstattung geführte hatte. Im Werkbund-Jahrbuch 1913 beschreibt der deutsche Architekt Walter Gropius, welchen Kriterien zukünftig die Gestaltung menschlicher Umwelt folgen soll: »Es ist vom sozialen Standpunkt aus nicht gleichgültig, ob der moderne Fabrikarbeiter in öden, häßlichen Industriekasernen oder in wohlproportionierten Räumen seine Arbeit verrichtet. Er wird dort freudiger am Mitschaffen großer gemeinsamer Werte arbeiten, wo seine vom Künstler durchgebildete Arbeitsstätte dem einem jeden eingeborenen Schönheitsgefühl entgegenkommt und auf die Eintönigkeit der menschlichen Arbeit belebend einwirkt.« Dieses von Gropius in den zwischen 1911 und 1916 gestalteten Fagus-Werken in Alfeld/Leine umgesetzte Postulat rückt den Massenarbeitsplatz in das Blickfeld des Künstlers – vor allem wohl, um die Arbeitsmotivation und den Unternehmensgewinn zu erhöhen.

Beispielhaft ist in dieser Beziehung die Tätigkeit des deutschen Architekten und Kunsthandwerkers Peter Behrens. Seit 1899 beeinflusst von der Darmstädter Künstlerkolonie und Mitbegründer des Deutschen Werkbundes, berief ihn 1907 die Berliner Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft (AEG) in ihren künstlerischen Beirat. Behrens gestaltet Bogenlampen zur Straßenbeleuchtung, aber auch Büro- und Werkstatteinrichtungen und versucht, durch formale Qualität hohen Gebrauchswert zu erzielen.

Auch der Wiener Architekt Adolf Loos fordert eine programmatische Abkehr vom ornamentalen Jugendstil; er lässt auf allen Gebieten der Gestaltung nur den Grundsatz strenger Sachlichkeit und Zweckmäßigkeit zu, um zu einer Erneuerung der Alltagskultur zu gelangen. Mit seinen funktional orientierten Entwürfen (»Evolution der Kultur ist gleichbedeutend mit der Entfernung des Ornaments aus dem Gebrauchsgegenstand«) gestaltet er seit der Jahrhundertwende Möbel in asketisch einfachen und geraden, kühlen Formen.