Der Krieg wird zum Alltag

Der Krieg wird zum Alltag
Kaiser Wilhelm II. mit General von Seeckt und Generaloberst von Mackensen im April an der Ostfront. Bundesarchiv, Bild 183-R11105 / CC-BY-SA [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1915:

»Im Grunde ist nichts anders als sonst, als einst in der sagenhaften Zeit des Friedens. Aber es ist doch alles anders geworden, alles ernster, alles schwerer, alles nachdenklicher. Man hört so wenig weinen, wie man laut lachen hört«, schrieb der in der Schweiz lebende deutsche Schriftsteller Hermann Hesse nach einem Besuch des Deutschen Reichs im Herbst 1915. In der Tat, Jubel und Begeisterung der ersten Kriegstage sind ein Jahr später bereits verrauscht. Der Traum vom kurzen Krieg und vom schnellen Sieg ist geplatzt. Frieden ist nicht in Sicht. Der Krieg wird zum Alltag. An der Front wie in der Heimat gilt es, sich auf eine längere Kriegsdauer einzurichten, sich mit den Kriegsumständen zu arrangieren, den Alltag im Krieg zu organisieren. 1915 ist kein Jahr des Umbruchs. Die einschneidenden gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen, zu denen der Weltkrieg schließlich führt, zeichnen sich noch nicht ab. Das Jahr steht im Zeichen der Opfer des Krieges: Allein in der deutschen Armee fallen bis Ende des Jahres etwa eine halbe Million Soldaten. »Es handelt sich nicht mehr um einen Krieg, wie wir ihn früher kannten, sondern der Krieg ist für alle Beteiligten mittlerweile zum Kampf ums Dasein im eigentlichen Sinne geworden«, stellt der deutsche Generalstabschef Erich von Falkenhayn am Jahresende fest.