Stimmen gegen den Krieg werden lauter

Stimmen gegen den Krieg werden lauter
Karl Liebknecht (ca. 1911). By Copyright G. G. Bain [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1915:

1914 zogen die meisten Deutschen in der Überzeugung in den Krieg, die Heimat gegen einen feindlichen Angriff verteidigen zu müssen. 1915 wird dieses Motiv immer mehr als Propagandalüge entlarvt. Die Diskussion über die Kriegsziele rückt zunehmend in den Vordergrund. Die Sicherung der Grenzen reicht vielen nicht mehr aus, der Ruf nach Annexionen wird lauter. Alldeutsche und Schwerindustrie, unterstützt von Politikern der Konservativen und der Nationalliberalen, fordern, keinen Frieden zu schließen, ohne umfangreiche Gebietserweiterungen in Ost und West erreicht zu haben. Damit beginnt der nationale Konsens, der bei Kriegsbeginn verkündete Burgfrieden, zu bröckeln. In den Reihen der Sozialdemokraten wachsen die Zweifel an der These vom Verteidigungskrieg. Vergeblich treten sie für Verzicht auf Annexionen ein und fordern eine deutsche Friedensinitiative. Im Dezember 1914 war es nur Karl Liebknecht, ein Jahr später sind es bereits 20 Sozialdemokraten, die daraus die Konsequenzen ziehen und im Reichstag gegen den Kriegskredit stimmen. Die wachsende Zahl der Kriegsgegner ruft auch den preußischen Obrigkeitsstaat wieder auf den Plan. Repressalien gegen Sozialisten und Pazifisten nehmen zu.