Das Deutschtum als Unterrichtsstoff

Bildung 1917:

Das Hauptproblem des Bildungswesens im Deutschen Reich ist die Einziehung von Schülern und Lehrern in den Militärdienst. Daraus ergeben sich vorzeitige Entlassungen aus der Schulpflicht sowie das vorgezogene Notabitur für die Schüler von Gymnasien und ein extremer Lehrermangel. Der Deutsche Reichstag debattiert die Aufhebung der unterschiedlichen Schulstufen. Vertreter der meisten Parteien wehren sich jedoch gegen die Auflösung der konfessionsgebundenen Ausbildungsstätten.

Dem immer stärker werdenden Lehrermangel an allen Schulformen wird mit der Einstellung von Lehrerinnen entgegengewirkt. Gleichzeitig sollen ältere Schüler Unterricht in den unteren Klassen geben oder gemeinsam mit jüngeren Schülern unterrichtet werden. Das zuständige Ministerium befürwortet wegen des Lehrer- und Arbeitskräftemangels die vorzeitige Schulentlassung. Auch Schüler, die das 14. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, können, sofern sie einen Arbeitsplatz nachweisen, bereits aus der Schule entlassen werden. Für Abiturienten, die zum Kriegsdienst eingezogen werden, gibt es ein Notabitur.

Im preußischen Abgeordnetenhaus fordern alle Parteien den leichteren Übergang von der Volksschule zur höheren Schule. So hat die Berliner Schulbehörde ein Stipendium in Höhe von 300 Mark pro Jahr für begabte, aber arme Schüler eingeführt, um den Besuch des Gymnasiums zu ermöglichen. Zerstritten sind die Parteien jedoch in der Frage über die Einführung einer Einheitsschule. Die Mehrheit sieht die übergeordnete Stellung des humanistischen Gymnasiums gefährdet. Besonders stark wird der Antrag der Sozialdemokraten bekämpft, der die Aufhebung konfessionsgebundener Schulen fordert. Stattdessen diskutieren die bürgerlichen Parteien das Problem von Kindern aus konfessionell gemischten Ehen.

Das Kultusministerium setzt sich für ein einheitliches Bildungsideal aller Schulen ein.

»Das Deutsche soll auch mehr als bisher in den Mittelpunkt des Unterrichts gesetzt werden«, heißt es in einer Stellungnahme vor dem preußischen Abgeordnetenhaus. Diese Ausrichtung soll jedoch nicht zur Aufhebung der unterschiedlichen Schultypen führen.

An den deutschen Universitäten, die gleichfalls unter dem Mangel an Lehrkräften leiden, nimmt der Anteil der Studentinnen gegenüber dem Vorjahr stark zu. Während im Sommersemester 1916 die 5793 Studentinnen 26,1% der Gesamtzahl der Studierenden ausmachte, liegt der Anteil im Sommersemester 1917 mit 7752 bei 32,3%. Vor dem Krieg, im Sommersemester 1914, stellten die weiblichen Studierenden nur 5,4% aller Studenten. Der Anteil der Studierenden pro 10 000 Einwohner im Deutschen Reich liegt bei 3,4.