Erholung von den Kriegsstrapazen

Urlaub und Freizeit 1917:

An Urlaubsreisen, wie sie sich vor dem Krieg immerhin die wohlhabenden Schichten regelmäßig leisteten, ist im Jahr 1917 kaum zu denken. Die Lebensbedingungen an der Front wie in der Heimat haben sich besonders im Deutschen Reich und in Österreich wegen der Seeblockade durch die Briten so sehr verschlechtert, dass der Gedanke an den Aufenthalt in einer »Sommerfrische« gegenüber der Sorge um das tägliche Brot weit in den Hintergrund tritt.

Aber selbst wenn ein Erholungsurlaub oder auch nur eine Kurzreise zu Verwandten in Erwägung gezogen wird, ist oft genug die Verwirklichung des Vorhabens durch die drastische Einschränkung des Bahnverkehrs für Zivilisten gefährdet. Truppen- und Gefangenentransporte sowie Nachschublieferungen an Proviant, Waffen und Munition haben Vorrang vor dem Zivilverkehr. Selbst zu den hohen kirchlichen Festtagen wie Pfingsten und Weihnachten wird im Deutschen Reich die sonst übliche Zahl an Sonderreisezügen für zivile Urlauber stark reduziert.

Ein Problem für die klassischen Urlaubsgebiete wie Bayern und die Nord- und Ostseebäder liegt auch darin, bei den Behörden Sonderzuteilungen an Nahrungsmitteln für Urlauber zu erhalten. Einige Gemeinden Bayerns drohen gar mit einer völligen Schließung der Beherbergungsbetriebe, wenn ihnen diese Sonderzuteilungen nicht gewährt werden sollten.

Der Staat bemüht sich darum, zumindest den besonders bedürftigen Soldaten und den Kindern zu einem Heimaturlaub bzw. einem Erholungsurlaub zu verhelfen.

Der Heimaturlaub der Soldaten – er wird in der Regel zweimal im Jahr für höchstens sieben Tage gewährt – ist nicht nur wegen der Regeneration der Kampfkraft, sondern auch aus bevölkerungspolitischer Sicht unabdingbar, da allenthalben der starke Geburtenrückgang beklagt wird. Trotzdem wird gegen Ende des Jahres jeglicher Heimaturlaub wegen der angespannten Kriegslage untersagt.