Frauen als Schwerarbeiter

Arbeit und Soziales 1917:

Im vierten Kriegsjahr zeigt sich der eklatante Mangel an Arbeitskräften noch deutlicher als 1916. Das Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitsuchenden beträgt im reichsdeutschen Durchschnitt etwa 6 : 1. Vor allem fehlt es an Arbeitern, die körperlich schwere Tätigkeiten wie sie im Bergbau und der metallverarbeitenden Industrie anfallen, leisten können. Bis auf wenige Stellen in der unmittelbar kriegswichtigen Industrie sind so gut wie alle Arbeitsplätze mit Frauen besetzt. Männer, die auch nur halbwegs kriegstauglich erscheinen, sind in den Kriegsdienst eingezogen. In den Lazaretten werden daher immer mehr Schwestern zur Pflege der Verwundeten gebraucht. Da auch für diese Arbeit körperlich gesunde und kräftige Frauen bevorzugt werden, ergibt sich, dass die an der »Heimatfront« tätigen Arbeiterinnen oft von eher schwacher Konstitution sind. Trotzdem arbeiten zahlreiche Frauen in Berufen, die in Friedenszeiten als ausschließliche Männerdomänen gegolten haben. Frauen sind Bauarbeiter, Straßenbahnschaffner, Kohlenträger.

Dafür sind in Produktionsbereichen, in denen früher fast nur Frauen gearbeitet haben, z. B. in der Textilindustrie, sehr viel weniger Arbeiterinnen beschäftigt als zu Friedenszeiten, weil diese Betriebe vielfach ganz stillliegen.

Spezielle Schutzbestimmungen für weibliche Arbeitskräfte, wie das Verbot der Nachtarbeit und die Einschränkung der täglichen Arbeitszeit auf höchstens zehn Stunden, sind schon bei Kriegsbeginn aufgehoben worden.

Die schwierigen Arbeitsbedingungen und die politische Unzufriedenheit führen zu häufigen Streiks.