Propaganda und Patriotismus

Werbung 1917:

Die politische und militärische Krise im Weltkrieg und die katastrophale Versorgungslage der Bevölkerung sind die Themen der Anzeigen in den deutschen Zeitschriften. Größten Raum nehmen patriotische Aufrufe und Plakate zur finanziellen Unterstützung der Kriegswirtschaft ein. Private Kleinanzeigen spiegeln die Probleme der Industriebetriebe bei der Aufrechterhaltung ihrer Produktivität und die alltäglichen Schwierigkeiten der Haushalte wider. Reine Produktwerbung findet kaum noch statt.

Die offiziellen Plakate und Aufrufe des Kriegspresseamtes, die als ganzseitige Anzeigen in den Tageszeitungen erscheinen, versuchen die Bevölkerung für die ständigen Kriegsanleihen zu mobilisieren. Mit Aufrufen wie »Macht Geld zu U-Booten!« soll das Alltagsleben im Reich als »Heimatfront« dargestellt werden. Die patriotischen Plakate suggerieren, dass die Zeichnung der Kriegsanleihe dieselbe Wirkung hat wie der Kampf der Frontsoldaten.

Ein weiteres Thema der staatlichen Plakate ist die vaterländische Propaganda, die sich an Angehörige von Gefallenen richtet. Der Verlust von Familienangehörigen soll als Heldentat erscheinen.

Die privaten Kleinanzeigen in der Tagespresse werden durch die zunehmende Papierknappheit stark eingeschränkt. Verkäufe, Ankäufe, Gesuche und Stellenanzeigen müssen auf kleinstem Raum formuliert werden.

Im Vordergrund der Kleinanzeigen von Industriebetrieben steht die Suche nach Arbeitskräften. Der Mangel an männlichen Arbeitern und Angestellten führt zu Angeboten an Frauen für Berufe, die sie vor Ausbruch des Krieges nicht ausgeübt haben.

Kleinbetriebe nutzen den knappen Anzeigenraum hauptsächlich für die Suche nach Rohstoffen und Maschinen. Werbung für ihre Produkte findet sich kaum. Private Inserenten suchen mit Kleinanzeigen Kleidungsstücke, Nahrungsmittel und Baustoffe.