Siegeszug von Avantgarde und Vergnügungsstätten im zerstörten Mitteleuropa

Politik und Gesellschaft 1919:

Kulturell ist das Jahr 1919 durch größere Offenheit gegenüber den »avantgardistischen« Künstlern gekennzeichnet. Als Symbol für dieses neue kulturelle Klima gilt die Gründung des Bauhauses in Weimar. Allen europäischen Staaten gemeinsam ist im ersten Nachkriegsjahr ein Phänomen, das in Frankreich als »Taumel«, im Deutschen Reich als »Spiel- und Tanzwut« beschrieben wird: die Sucht nach Vergnügen. In einer Zeit rapide steigender Inflation und einer katastrophalen Wirtschafts- und Versorgungslage schießen Vergnügungsstätten, Bars und Clubs wie Pilze aus dem Boden. Das Kino hat sich zum Unterhaltungsmedium Nr. 1 entwickelt.

Niemand kann die Frage beantworten, wer diejenigen sind, die es sich leisten können, in einer Zeit der Armut und der Zerstörung viel Geld für oberflächliche Vergnügungen auszugeben. In Berlin werden sie als die »Kriegs- und Inflationsgewinner« bezeichnet, in Paris als die »Nouveaux Riches« (die Neureichen).