Lindberghs Atlantikflug und Stalins erste Säuberungen

Lindberghs Atlantikflug und Stalins erste Säuberungen
Charles Lindbergh. See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1927:

Auch in den USA boomt die Wirtschaft; im Mai läuft in den Detroiter Ford-Werken das fünfzehnmillionste Modell T (»Tin Lizzy«) vom Band. Am 20. Mai schafft ein Amerikaner eine Pionierleistung der Fliegerei. Charles Lindbergh wagt mit seinem Flugzeug »Spirit of St. Louis« erfolgreich den ersten Alleinflug über den Atlantik. Sein Flug wird zum Medienereignis in Europa und den USA, Lindbergh ist der gefeierte Star. Mit seiner Maschine verwirklichte er den Traum, die Alte und die Neue Welt einander näherzubringen. Die Jubelstimmung in den USA kann auch der Prozess gegen die Anarchisten Sacco und Vanzetti nicht trüben. Auch wenn Tausende auf die Straße gehen, beherrschen optimistische Prognosen das Meinungsbild.

In der Sowjetunion zeichnet sich 1927 eine dramatische Verschärfung des Machtkampfes in der politischen Führung ab. Josef Stalin entmachtet im November seine früheren Mitkämpfer Leo Trotzki, Grigori Sinowjew und Lew Kamenew; sie wollten seinem Kurs einer rücksichtslosen Verwandlung des Landes vom Agrar- zum Industriestaat nicht folgen. Stalin beginnt den blutigen Kampf um die Alleinherrschaft, dem in den kommenden Jahrzehnten Hunderttausende zum Opfer fallen werden.

Weit entfernt von der europäischen Öffentlichkeit fällt auch im Fernen Osten eine Entscheidung, die in einen jahrzehntelangen Konflikt mündet. In Schanghai lässt Chiang Kai-shek, der Führer der nationalrevolutionären Truppen der Kuomintang, die kommunistische Gewerkschaftsmiliz entwaffnen. Für die spätere Feindschaft zwischen ihm und dem kommunistischen Führer Mao Tse Tung ist der Grundstein gelegt.