Bundesbürger begeistern sich für »Käfer« und »Badewanne«

Auto und Verkehr 1960:

Das Jahr 1960 bringt für die Automobilhersteller in der Bundesrepublik einen neuen Produktionsrekord. Mit 2,05 Mio. fertiggestellten Kraftfahrzeugen (davon 1,67 Mio. Pkw) wird erstmals die Zwei-Millionen-Grenze überschritten. Die bundesdeutschen Firmen können, bei einer Steigerung der Stückzahl gegenüber dem Vorjahr um 19,6%, hinter den USA (6,67 Mio. Einheiten) ihren zweiten Rang in der weltweiten Automobilproduktion vor Großbritannien (1,35 Mio. Einheiten) wesentlich ausbauen.

Der Exportanteil ist auf 982 819 Wagen gestiegen und übertrifft das Ergebnis von 1959 um 12,8%. Mit Ausnahme von Fahrzeugen des Volkswagenwerks (VW) in Wolfsburg und der Daimler-Benz AG in Stuttgart gibt es auf dem Inlandsmarkt bei einem Pkw-Kauf praktisch keine Lieferfristen mehr.

Nach seiner Privatisierung steht das Wolfsburger VW-Werk am 1. August eine grundlegend verbesserte Version des VW-Käfers vor. Bei äußerlich unveränderter Karosserie wird das Lieblingsauto der Deutschen mit einem vollständig neu konstruierten Motor ausgeliefert. Er leistet jetzt bei unverändertem Hubraum (1200 cm3) mit 34 PS vier Pferdestärken mehr als seine Vorgängermodelle. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h konnte von 40,5 sec auf 35,0 sec gesteigert werden. Der jetzt 115 km/h (vorher 110 km/h) schnelle Käfer erhält außerdem einen neuen Vergaser mit automatischem Starter, asymmetrisches Abblendlicht, eine Scheibenwaschanlage und einen größeren Kofferraum. Die bisher charakteristischen Winker am Türholm werden durch Blinker auf den Kotflügeln ersetzt.

Trotz dieser technischen Detailverbesserungen bleibt der Kaufpreis für den Käfer mit 4600 DM für das Grundmodell unverändert. Der Wiederverkaufswert für gebrauchte VW sinkt 1960 aufgrund des Vordringens ausländischer Marken und erhöhter Inlandsproduktion um bis zu 1000 DM.

Eine zukunftsweisende Karosserie bringen die Ford-Werke in Köln mit der Neuentwicklung des Ford 17 M (P 3) auf den Markt. Das sogleich als »Badewanne« identifizierte Fahrzeug wurde nach ausgedehnten Windkanalversuchen in einer äußerst stromliniengünstigen Form konstruiert. Bessere Fahrleistungen und geringerer Benzinverbrauch, begünstigt durch den Verzicht auf die modeüblichen Kotflügel und Zierleisten, lassen den 17 M von 1960 zum Prototyp einer neuen Autogeneration werden. Die luxuriöse, formschöne Innenausstattung des in 55- und 60-PS-Versionen hergestellten Wagens trägt dazu bei, dass sich die »Badewanne« zu einem bevorzugten Mittelklassewagen entwickelt.