Krise im Kongo und in Algerien

Krise im Kongo und in Algerien
Algerienkrieg: Algier während der Barrikadenwoche von 1960. By Christophe Marcheux (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1960:

In Kongo (Léopoldville), das von Belgien halbherzig und überhastet auf die Unabhängigkeit vorbereitet wurde, kommt es zum blutigen Bürgerkrieg. In diesem größten afrikanischen Staat überstürzen sich die Ereignisse: Militärische Auseinandersetzungen, Stammesfehden, Sezession der reichen Provinz Katanga, Auflösung der Regierung, Einmarsch einer UNO-Friedenstruppe, Machtübernahme durch General Joseph Désiré Mobutu, Internierung, Flucht und erneute Verhaftung von Ministerpräsident Patrice Lumumba. Im weiteren Verlauf der 60er Jahre bleibt der Kongo, nicht zuletzt bedingt durch Hegemonieinteressen der USA und der UdSSR, eines der Hauptkrisengebiete in der Welt.

Frankreich, gerade zur vierten Atommacht aufgestiegen, trägt schwer an seiner letzten Afrika-Kolonie Algerien. Hier tobt seit 1954 ein verlustreicher Dreifrontenkrieg zwischen der algerischen Befreiungsbewegung, weißen Siedlern und der französischen Armee. Mit dem »Barrikadenputsch« in Algier erreichen die Auseinandersetzungen im Januar einen neuen Höhepunkt. Staatspräsident Charles de Gaulle ist entschlossen, mit seiner revidierten Politik für ein »algerisches Algerien« den Konflikt, in den sich auch die französischen Linksintellektuellen einmischen, endlich beizulegen. Mit dem »Manifest der 121« unterstützt ein Kreis von Prominenten um den Philosophen Jean-Paul Sartre die militante Unabhängigkeitsbewegung und nimmt bewusst eine Strafverfolgung in Kauf.