Das Jahr der großen Sturmflut – während der Kubakrise droht der Dritte Weltkrieg

Politik und Gesellschaft 1962:

1962 ist ein Jahr, in dem sich vieles ereignet, was sich ins Gedächtnis der Zeitgenossen eingegraben hat: Der Tod Peter Fechters an der deutsch-deutschen Grenze, die Hamburger Sturmflut und die prunkvolle Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Ein Ereignis überschattet das Jahr – die Kubakrise. 17 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges halten die Menschen wieder den Atem an. Durch die Stationierung von Abschussbasen für Atomraketen auf Kuba provoziert die Sowjetunion eine Auseinandersetzung mit der US-Regierung. Die Welt steht für Stunden an der Schwelle zum Dritten Weltkrieg. Die Gefahr ist erst gebannt, als der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow seine Waffen aus Kuba zurückzieht.

Die Kubakrise ist ein vorläufiger Höhepunkt im Kalten Krieg zwischen den beiden Supermächten. Sie macht deutlich, dass eine Phase der Entspannung, auf die viele Menschen nach dem Treffen von Chruschtschow und US-Präsident John F. Kennedy 1961 in Wien gehofft hatten, noch in weiter Ferne liegt. Im Gegenteil, eine Entspannung der Supermächte ist angesichts des Ausbaus Kubas zum vorgeschobenen Stützpunkt der UdSSR unmittelbar vor der US-Küste und angesichts des Mauerbaus in Berlin 1961 kaum denkbar. Für die US-Amerikaner bleibt nach der Kubakrise die traumatische Vorstellung, dass sie auf ihrem Territorium angegriffen werden können.

Raketen- und Luftwaffenstützpunkte in Kuba im Oktober 1962 (US-Grafik), By United States Department of Defense graphic in the John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston. (http://www.jfklibrary.org) [Public domain], via Wikimedia Commons

Raketen- und Luftwaffenstützpunkte in Kuba im Oktober 1962 (US-Grafik), By United States Department of Defense graphic in the John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston. (http://www.jfklibrary.org) [Public domain], via Wikimedia Commons