Vietnamkrieg beginnt – Rassenkonflikte erschüttern die USA

Vietnamkrieg beginnt – Rassenkonflikte erschüttern die USA
US-Präsident Johnson bei der Bekanntgabe der Bombardierung Nordvietnams am 4. August 1964. Cecil W. Stoughton [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1965:

Die westliche Führungsmacht USA sieht sich mit zwei Konflikten konfrontiert, die bald tiefe Gräben in der US-Gesellschaft freilegen werden. Die Auseinandersetzung in Vietnam nimmt kriegerische Konturen an. Die Vereinigten Staaten erweitern durch die Bombardierung Nordvietnams den bewaffneten Kampf auf das ganze geteilte Land. Noch ist die vorherrschende Überzeugung, dass die Weltmacht den Konflikt in kurzer Zeit gegen den kommunistischen Herrschaftsanspruch entscheiden kann. Aber durch ihre Kriegführung kommen die USA mit ihren eigenen moralischen Prinzipien von Freiheit, Gleichheit und Menschlichkeit in Konflikt, die sie in Vietnam zu verteidigen vorgaben. Dagegen formiert sich schon in diesem Jahr der innere Widerstand in Demonstrationen und in Teach-ins an den Hochschulen. Intellektuelle appellieren an die Regierung in Washington, die Truppen vom Kriegsschauplatz in Indochina abzuziehen.

Zugleich wird das Land von einer eminenten innenpolitischen Krise erschüttert. Die Schwarzen fordern unüberhörbar das Recht auf Teilhabe am politischen Gemeinwesen, am Wohlstand des Landes und klagen die soziale Gleichberechtigung in der alltäglichen Realität ein. Mit dem Mord an Malcolm X und an weißen Rassentrennungsgegnern wird deutlich, dass »God’s own country« die selbstgesetzten Ansprüche an demokratisches Miteinanderleben nicht für alle Bürger realisiert hat. Die Regierung in Washington muss Bundestruppen nach Alabama entsenden, um den Schwarzen die Wahrung ihrer durch die Verfassung garantierten Rechte zu gewährleisten.

Malcolm X im März 1964. By Marion S. Trikosko [Public domain], via Wikimedia Commons

Malcolm X im März 1964. By Marion S. Trikosko [Public domain], via Wikimedia Commons