Mehr Fertigprodukte für die Berufstätigen

Ernährung, Essen und Trinken 1967:

In der Bundesrepublik zeichnet sich 1967 zunehmend die Tendenz beim Kauf von Nahrungsmitteln ab, nicht mehr nur deren Sättigungswert zu berücksichtigen; die Qualität der Nahrungsmittel und Getränke tritt immer mehr in den Vordergrund.

Betrachtet man die Rezeptvorschläge der gängigsten Frauenzeitschriften, so fällt auf, dass in keiner Mahlzeit fleischliche Produkte fehlen. Am liebsten wird Schweinefleisch in jeder Zubereitungsform gegessen; dessen Preis ist in diesem Jahr mit 8,09 DM pro Kilogramm um 16,5% im Vergleich zum Vorjahr 1966 gesunken.

Rund ein Drittel des monatlichen Einkommens wird für das Essen ausgegeben, u.a. auch zunehmend für die teureren Fertigprodukte in Konservendosen oder in Pulverform. Sie bedeuten für die über 9,5 Millionen berufstätigen Frauen, immerhin ein Drittel aller Erwerbstätigen, eine starke Zeitersparnis und Erleichterung bei der Zubereitung der Mahlzeiten. Auch der Verbrauch von Tiefkühlkost ist im Ansteigen. Jeder Bundesbürger verzehrt 1967 rund 2,2 kg Nahrungsmittel aus der Gefriertruhe. Damit liegt der Pro-Kopf-Verbrauch zwar noch weit hinter Schweden mit 8 kg und den Vereinigten Staaten mit 30 kg pro Kopf, doch hat sich der Verbrauch seit 1961 damit mehr als vervierfacht. Das Sortiment der Tiefkühlkost wird immer reichhaltiger und mit auserlesenen Delikatessen aufgestockt.

Die Bundesbürger werden auch zunehmend figurbewusster Zum einen weisen Mediziner auf das erhöhte Risiko eines Herzinfarkts bei Übergewicht hin, zum anderen diktiert die Mode als Ideal das superschlanke britische Mannequin Twiggy. Besonders die Frauen beginnen mit Hilfe von Tabellen die täglich per Nahrung zugeführten Kalorien zu zählen. Anstatt des kalorienhaltigen und ungesunden weißen Industriezuckers verwenden schon 10% aller bundesdeutschen Haushalte künstlichen Süßstoff (in den USA 30%).

Für ein Essen im Restaurant müssen die Bundesdeutschen immer tiefer in die Tasche greifen. Seit 1950 sind die Preise für Speisen in Gaststätten um 115%, für Getränke um 54% gestiegen.

Die Trinkgewohnheiten der Bundesbürger zeichnen sich insbesondere durch ihren – im europäischen Vergleich – überdurchschnittlich hohen Bierkonsum aus: 110 l Bier beträgt der Pro-Kopf-Verbrauch in der Bundesrepublik, während er sich in Schweden auf nur 30 l und in Großbritannien auf 85 l je Einwohner beläuft.