Sicherheit vor Chrom und PS

Auto und Verkehr 1967:

Zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg geht die Produktion der Personen- und Lastkraftwagen in der Bundesrepublik aufgrund der wirtschaftlichen Rezession zurück. Die Bundesrepublik kann sich zwar weltweit noch immer auf dem zweiten Platz nach den Vereinigten Staaten auf der Liste der Hauptproduktionsländer für Personenwagen halten, doch rollen 1967 nur noch knapp 2,3 Millionen Autos von den Montagebändern der bundesdeutschen Automobilindustrie, das sind rund 600 000 weniger als 1966. Die Produktion der Lastkraftwagen ging von 1966 214 000 Lkw auf 180 000 Lkw zurück. Damit rutscht die Bundesrepublik vom auf den siebenten Platz in der weltweiten Lkw-Produktion.

Auch die Käufer üben Zurückhaltung. Im Vergleich zu 1966 werden 10,2% weniger fabrikneue Personenwagen amtlich angemeldet.

Trotz dieser Absatzkrise gibt sich die Automobilindustrie auf ihrer größten Schau, der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main vom 14. bis 24. September, optimistisch. Nicht mehr nur äußerer Glanz, Blickfang, Pferdestärken und Chrom bestimmen die Weiterentwicklung der Automobile, vielmehr finden Sicherheitskomfort und technische Ausstattung immer mehr Beachtung. Vollsynchronisierte Gangschaltung ist schon Standard, Scheibenbremsen, Sicherheitslenksäule und Servolenkung setzen sich bei vielen Marken immer mehr durch.

So konzentrieren sich die Opel-Werke Rüsselsheim bei ihren neuen Modellen auf mehr Kraft, größere Stabilität und innere Sicherheit sowie auf eine Verbesserung des Fahrwerks bei allen Modellen. Der »Olympia« bietet beispielsweise als 60-PS-Kompaktwagen eine neue Sicherheitslenksäule, serienmäßig heizbare Heckscheibe und gepolsterte Lenkradspeichen.

Die Wolfsburger VW-Konstrukteure machen den Wunschtraum vieler Autofahrer wahr. Sie stellen auf der IAA den »Käfer« mit einer sog. Wahlautomatik und den VW 1600 mit einer Automatik nach US-amerikanischem Vorbild vor, die das lästige Schalten vergessen lässt

Die Bayrischen Motorenwerke AG aus Dingolfing bereichern ihr Programm in diesem Jahr um den 1600 GT-Coupé, die 1600-TI-Limousine und das 1600-Cabriolet. Alle Modelle zeichnen sich durch eine verbesserte Hinterachsenaufhängung und optimale Straßenlage aus.

Für die zunehmende Anhängerschaft des Reisemobils bietet die Daimler-Benz AG ein Mercedes-Reisemobil mit Benzin- oder Dieselmotor an, das mit seinen Maßen – 5,04 m Länge, 2,1 m Breite und 2,7 m Höhe – unabhängiges und bequemes Reisen ermöglicht. Die großzügige Innenausstattung lässt das Mercedes-Modell allerdings mit einem Preis von 22 415 DM zum teuersten unter den »Zimmern mit Motor« werden.

Riesenerfolg auf der IAA hat der Rennwagen-Konstrukteur und Millionär Ferruccio Lamborghini, der seinen Gran Tourismo »Miura« für 50 000 DM Kaufpreis darbietet. Der »Miura« – benannt nach einer andalusischen Kampfstierzüchterei – ist laut Hersteller kein Rennwagen, sondern ein normales Auto, das bis zu 300 km/h fährt.