Steigende Arbeitslosigkeit

Arbeit und Soziales 1967:

Zunehmende Arbeitslosigkeit und eine ausgeprägte wirtschaftliche Flaute, bei der die Gefahr einer echten Rezession sichtbar wird, überschatten das Jahr 1967.

Die Arbeitslosenzahl beläuft sich im Jahresdurchschnitt auf 459 489, das sind 2,1% der Gesamtbevölkerung. Jeder siebente Bundesbürger rechnet am Jahresanfang mit einer weiteren Zunahme der Arbeitslosigkeit. Mehr als eine Milliarde DM zahlen die Arbeitsämter im Bundesgebiet einschließlich Berlin (West) an Unterstützungsgeldern aus. Der Aufwand für diese Leistungen verdreifacht sich damit gegenüber dem Vorjahr. Durchschnittlich erhält jeder Berechtigte zwölf Wochen je 78,40 DM Arbeitslosengeld.

Viele Gastarbeiter ziehen aus der angespannten Konjunkturlage der Bundesrepublik die Konsequenzen. Allein zum Jahreswechsel 1967 kehren rund 245 500 nicht mehr aus den Ferien in ihrer Heimat zurück.

Besonders hart betroffen sind die Beschäftigten im Bergbau und in der Automobilindustrie, deren Beschäftigtenzahl sich aufgrund der schlechten Auftrags- und Absatzlage um jeweils 13% im Vergleich zum Vorjahr vermindert.

Zum ersten Mal seit 1950 fällt der Gesamtumsatz der Industrie um 1,9%. Nur die mineralölverarbeitende und chemische Industrie können Zuwachs verzeichnen.

So steht auch die Produktionsentwicklung vor allem im ersten Halbjahr 1967 ganz im Zeichen einer weiteren Abschwächung. Steine und Erden sowie das Baugewerbe verzeichnen einen beachtlichen Produktionsrückgang, das Metallgewerbe erreicht nur eine unwesentliche Zunahme, ebenso die Papierindustrie. Den stärksten Rückgang weist jedoch der Fahrzeugbau auf, der viele Jahre hindurch die Aufwärtsentwicklung der Investitionsgüterindustrie bestimmte.

Das monatliche Einkommen der Bundesbürger steigt nur unwesentlich. Der Durchschnittslohn eines männlichen Industriearbeiters zieht um 1,4% auf 209 DM wöchentlich bei 39,6 geleisteten Arbeitsstunden an. Ein männlicher Angestellter erhält durchschnittlich 1242 DM pro Monat, das sind rund 3,6% mehr als im Vorjahr. Der Verdienst der Frauen, rund 36% der Erwerbstätigen, ist deutlich geringer. Eine Arbeiterin in der Industrie verdient nur 140 DM in der Woche. Das Weihnachtsgeld verringert sich durchschnittlich für alle Arbeiter um rund 25%. Für die Beschäftigten der Metallindustrie verkürzt sich die Arbeitszeit von 44 auf 40 Stunden pro Woche.