Wirtschaftsflaute dämpft die Reiselust

Urlaub und Freizeit 1967:

Reisebüros und Kurverwaltungen, Verkehrsvereine und Hoteliers verzeichnen zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt einen Rückgang der Touristen im Reisejahr 1967.

Der bundesdeutschen Reiselust setzt nach Meinung der Tourismusindustrie in erster Linie die anhaltende wirtschaftliche Flaute Grenzen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, in denen die Zahl der Urlauber von Jahr zu Jahr sprunghaft angestiegen ist, muss man vielerorts eine Stagnation im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen. Starke Einbußen verzeichnen die bundesdeutschen Heilbäder, die über einen Rückgang der Sozialkurgäste klagen. Viele scheinen aus Angst um ihren Arbeitsplatz auf eine Kur zu verzichten.

Vor zehn Jahren machten nur 11,5 Millionen Bundesbürger über 14 Jahre, also rund 28% der Gesamtbevölkerung, eine Urlaubsreise. Davon verbrachten 8,5 Millionen ihre Ferien im Inland, von den restlichen drei Millionen führen allein 1,3 Millionen nach Österreich und 800 000 nach Italien. 1967 verreisten rund 40% der erwachsenen Bevölkerung der Bundesrepublik, von denen nur mehr rund die Hälfte im Inland bleibt. Oberbayern ist dabei als Ferienziel Spitzenreiter im inländischen Reiseverkehr. Die bundesdeutschen Auslandsurlauber streben, wie schon vor zehn Jahren – am liebsten nach Österreich und Italien, aber auch Spanien, Frankreich und die Schweiz, Jugoslawien, Griechenland und die Niederlande erfreuen sich großer Beliebtheit.

Als Verkehrsmittel, das für die Urlaubsreise benutzt wird, liegt das Auto an der Spitze. 57% der Urlauber treten ihre Fahrt im Pkw an, während die Eisenbahn immer mehr an Beliebtheit einbüßt. Vor zehn Jahren reisten noch 51% auf der Schiene, 1967 sind es nur noch 27%, innerhalb des Bundesgebietes 17% weniger als im Vorjahr, bei Reisen ins Ausland sogar 27% weniger. Rekordzahlen präsentiert dagegen die Flugtouristik. Die großen Reiseunternehmen verzeichnen ein Plus von 45% gegenüber dem Vorjahr. Während sich die Italienfahrten per Liegewagen der Deutschen Bundesbahn um 12% vermindern, klettern die Buchungen für Flugreisen dorthin um 71%. 1967 verzeichnen die Touristikunternehmen insgesamt 750 000 Flugpassagiere, ein Drittel mehr als im Jahr 1966.