Osterunruhen nach Attentat auf Dutschke – Pariser Mai bringt Chaos in Frankreich

Politik und Gesellschaft 1968:

Die Gesellschaft des Wirtschaftswunders, die im wiedererlangten Wohlstand selbstzufrieden ihre Konflikte verleugnete, traf die Rebellion der jungen Generation unvorbereitet. Hatte die Generation des Wiederaufbaus in den frühen 60er Jahren noch naiv unterstellt, ein unverbrüchliches Vorbild zu sein, so musste sie nun erleben, dass vor allem die akademische Jugend ihr die Gefolgschaft verweigerte. In den Osterunruhen nach dem Attentat auf Studentenführer Rudi Dutschke und den Ereignissen des Pariser Mai brach sich eine Gesellschaftskritik Bahn, die ihre Ideale theoretisch im Marxismus und praktisch in den Befreiungsbewegungen der Dritten Welt suchte.

Das »Establishment« verlor vor allem aus zwei Gründen an Glaubwürdigkeit: Zum einen war seine Verstrickung in den Nationalsozialismus nicht zu bestreiten. Für die Nachkriegsgeneration war offensichtlich, dass sich hinter der Fassade von Leistungsmoral und Verantwortungsbewusstsein häufig Opportunismus und Karrierestreben verborgen und Verbindungen zum Nationalsozialismus aufrechterhalten hatten. Die Verdrängung dieses Zusammenhangs war einer kritischen Jugend unerträglich.