Gianni Versace – ein modischer Rückblick

Mode 1997:

Der am 15. Juli ermordete Gianni Versace war ein Meister des Neo-Barock, und dies nicht nur in seinen Stoffdessins, sondern auch in den dramatischen Inszenierungen seiner Mode. Erotik spielte bei Versace eine gleichsam übergeordnete Rolle, selbst in seiner puristisch reduzierten Mode. Ganz nach der barocken Auffassung des 17. Jahrhunderts galt in der Mode für ihn die Gleichbehandlung von Mann und Frau. Seine seidenen Männerhemden unterschieden sich in Farben und Mustern nicht von den Foulards für die Damen. Sein opulentes Dekor zierte Geschirr, Vasen und seidene Kissen und war weit entfernt von jedem Understatement.

Versaces Mutter führte einen Schneidersalon, und früh begann er sich für Mode zu interessieren. 1972 zog er nach Mailand und begann Pret-à-porter-Teile für verschiedene Marken zu entwerfen. Das Frühjahr 1978 war die Geburtsstunde des Markennamens »Gianni Versace«. Erst 1990 begann er mit Haute Couture, zu einem Zeitpunkt, als viele ihr Aus vorhersagten.

Versaces 80er-Jahre-Mode war stark vom Oversize-Stil geprägt. 1984 kreierte er Abendkleider aus Oroton, einem leichten und anschmiegsamen Material, das aus winzigen Metallscheibchen zusammengesetzt ist. 1991/92 sorgten seine fetischistischen »Bondage« (Fessel)-Kollektionen für Aufsehen, weil in ihnen sadomasochistische Züge überdeutlich waren. Furore machte Mannequin Elizabeth Hurley in einem sehr tief dekolletierten, seitlich nur von goldenen Sicherheitsnadeln zusammengehaltenen schwarzen Abendkleid von Versace. 1996/97 perfektionierte er einen durchsichtigen Lagenlook und wandte sich eine Saison später einem minimalistischen Stil zu, der jedoch durch graphisch eingesetzte Farben und asymmetrische Lageneffekte einen dekorativen Blickfang erhielt. Diesen Trend setzt nach dem Tod des Meisters seine Schwester Donatella unter der Geschäftsleitung seines Bruders Santo Versace fort.