Schwarzgeldaffäre bringt die CDU in Bedrängnis

Politik und Gesellschaft 2000:

Turbulenzen anderer Art prägen die deutsche Politik: »Schwarzgeldaffäre« ist nicht von ungefähr nach einer Entscheidung der Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort des Jahres 2000. Die schon Ende 1999 bekanntgewordenen »schwarzen Kassen« führen die CDU zu Jahresbeginn 2000 in die wohl schwerste Krise ihrer Geschichte. Für den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) hat das Eingeständnis vom Januar, dass die hessische CDU Anfang der 80er Jahre Millionen ins Ausland transferiert und – unter dem Vorwand, es handele sich um anonyme Vermächtnisse – wieder zurückgeholt hat, (zunächst) keine Konsequenzen: Er bleibt mit Hilfe der FDP im Amt. Der CDU-Bundesvorsitzende und Bundestagsfraktionschef Wolfgang Schäuble hingegen tritt am 16. Februar zurück. Seine Glaubwürdigkeit war durch widersprüchliche Aussagen über die Annahme einer 100 000 -DM-Spende des Waffenhändlers Karl-Heinz Schreiber erschüttert worden. Staunend erfährt die Öffentlichkeit in der Folgezeit Einzelheiten über die geheime Kassenführung der CDU, die eher an Methoden der »Geldwäsche« erinnert als an das einer großen demokratischen Volkspartei angemessene Finanzgebaren.