1. Januar 1999: Neue Währung für Europa

1. Januar 1999: Neue Währung für Europa
Eurobanknoten (5–50 € zweite Serie; 100, 200 € erste Serie) - L'Arnq [ECB decisions ECB/2003/4 and ECB/2003/5 or CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

+++ VOR 20 JAHREN +++

Mit Beginn des neues Jahres bekommt Europa eine gemeinsame Währung. Der Euro ist nach einem Beschluss der EU-Finanzminister exakt 1,95583 DM wert.

Für die Bundesbürger ändert sich mit dem Euro-Start im Alltag zunächst nicht viel. Als Bargeld werden DM und Pfennig erst im Jahr 2002 endgültig von Euro und Cent abgelöst. Die Aktienkurse notieren hingegen ab dem 4. Januar 1999 nur noch in Euro.

Der Festlegung der elf unveränderlichen Umtauschkurse war eine Telefonkonferenz der Notenbank-Gouverneure vorangegangen, bei der die Markt-Kurse des Dollars in den jeweiligen Währungen ausgetauscht wurden. In Brüssel ermittelten derweil Beamte der EU-Kommission den Kurs der europäischen Korb-Rechnungseinheit Ecu zur US-Währung. Da der Ecu nach einer früheren Vereinbarung zum Euro im Verhältnis 1:1 umgestellt werden sollte, musste letztlich nur der Ecu-Kurs zum Dollar mit den Wechselkursen der nationalen Währungen zum Dollar multipliziert werden. Auf einer elektronischen Anzeigetafel werden die Umrechnungskurse aufgeführt.

Nach einem gelungenen Einstand an den Devisenmärkten schwächelt der Euro im Jahresverlauf. Sein Kurs an der Wall Street sinkt am 2. Dezember erstmals unter die 1-Dollar-Marke. Mit einem Referenzkurs von 1,1789 Dollar war der Euro im Januar gestartet. Eine starke US-Wirtschaft, die Zinsdifferenz zwischen Europa und den USA und wirtschaftspolitische Versäumnisse in Europa gelten als Gründe für die Schwäche. Im Mai 1998 hatten die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union endgültig den Start der Europäischen Wirtschaftsunion (EWU) und damit den Einstieg in die Einführung des Euro gegeben. Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Spanien, Portugal, Irland, Österreich und Finnland haben die Qualifikationskriterien geschafft, nur Griechenland verfehlte sie. Großbritannien, Schweden und Dänemark wollen zunächst nicht an der EWU teilnehmen.

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Zeitungen zum 01.01.1999

Zur Person: Wim Duisenberg

ist erster Chef der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Nominierung des Niederländers (* 9.7.1935 in Heerenveen) war ein heftiger Streit der EU-Staaten vorausgegangen. Nach einem umstrittenen Kompromiss soll der Professor für Volkswirtschaft (1970-73) und Finanzminister der Niederlande (1973-78), der ab 1982 die niederländische Zentralbank leitete, nicht die volle Amtszeit von acht Jahren absolvieren. Mit diesem Beschluss ist für viele Experten der Euro schon mit einer Hypothek belastet und die Unabhängigkeit der EZB fraglich. Oberste Aufgabe Duisenbergs ist die Wahrung der Geldwertstabilität der europäischen Gemeinschaftswährung.