1. Mai 1929: Straßenkämpfe in Berlin »Blutmai«

1. Mai 1929: Straßenkämpfe in Berlin »Blutmai«

+++ VOR 90 JAHREN +++

In Berlin geht die Polizei anlässlich einer verbotenen Demonstration zum Tag der Arbeit am 1. Mai brutal gegen Demonstranten und Anwohner einiger Arbeiterviertel vor. Es sterben nach offiziellen Angaben neun Menschen. 63 schwerverletzte Zivilisten, 25-30 Verletzte in den Reihen der Polizei werden statistisch erfasst. Die Auseinandersetzungen setzten sich in den folgenden Tagen fort und fordern weitere Opfer.

Die KPD hatte trotz des vom Berliner Polizeipräsidenten Karl Zörgiebel (SPD) verhängten Demonstrationsverbots, das vom preußischen Innenminister Albert Grzesinki (SPD) bestätigt worden war, an dem Vorhaben festgehalten, am 1. Mai Aufmärsche durchzuführen. Die Situation eskalierte Ende April, als die preußischen Behörden ankündigten, sie würden mit äußerster Härte gegen Demonstranten vorgehen.

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Zeitungen zum 01.05.1929

Dem Demonstrationsaufruf der KPD folgten nach Schätzungen der Polizei etwa 8000 Personen. Sie versammelten sich in kleinen Gruppen überwiegend in den »roten« Arbeitervierteln Neukölln und Wedding. Die Polizei versuchte, die Demonstranten mit Gummiknüppeln und sog. Spritzkommandos zu zerstreuen. Gegen Mittag wurden am Hackeschen Markt und in der Hasenheide mehrere Personen durch gezielte Schüsse der Polizei verletzt, ein Demonstrant wurde getötet. Die Lage eskalierte bei Einbruch der Dunkelheit. In der Kösliner Straße, wo Demonstranten Barrikaden errichtet hatten, setzte die Polizei Panzerwagen mit Maschinengewehren ein.