1. Oktober 1920: Stinnes-Konzern

1. Oktober 1920: Stinnes-Konzern
Hugo Stinnes ca1890 - Public Domain

+++ EREIGNISSE VOR 100 JAHREN +++

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Zeitungen zum 01.10.1920

Der deutsche Industrielle Hugo Stinnes erwirbt über den Berliner Bankier und Großspekulanten Hugo Herzfeld am 1. Oktober die Aktienmehrheit an dem Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation AG. Gleichzeitig bildet er die Siemens-Rheinelbe-Schuckert-Union (SRSU). Damit beginnt Stinnes den Ausbau seines Konzerns, der sich in den 20er Jahren zu einer der größten deutschen Unternehmensgruppe entwickelt.

Mit den Firmenzusammenschlüssen verbunden ist eine enorme Konzentration politischer und wirtschaftlicher Macht. Mit seinen rd. 300 000 Arbeitern ist Stinnes für den Lebensunterhalt von etwa 1 Mio. Menschen verantwortlich. Außerdem liefert er annähernd 20% der Kohleförderung im Deutschen Reich und verfügt über einen fast ebenso großen Anteil an der Eisenproduktion.

Der 1870 in Mülheim geborene Stinnes, der bereits vor dem Weltkrieg zu den bedeutendsten deutschen Montanindustriellen gehörte, nutzt seine Macht auch politisch. Er zählte zu den Finanziers der rechtsextremen Nationalen Vereinigung, die ideologisch den Kapp-Putschisten nahesteht. Bereits 1919 war er in die rechtsliberale DVP eingetreten. Obwohl dort in seiner Rolle als machtpolitisch agierender Großindustrieller umstritten, erhielt er bei den Reichstagswahlen 1920 ein Mandat als Abgeordneter. Über die DVP setzt er seinen Einfluss im Sinn einer wirtschaftsfreundlichen Regierungspolitik ein, u.a. bei der Besetzung der Ministerien im Kabinett von Konstantin Fehrenbach.