10. Dezember 1999: Literaturnobelpreis für Günter Grass

10. Dezember 1999: Literaturnobelpreis für Günter Grass

+++ VOR 21 JAHREN +++

Günter Grass (* 16.10.1927) erhält am 10. Dezember in Stockholm den Literaturnobelpreis. Der in Danzig geborene Autor ist nach Heinrich Böll (1972) erst der zweite Deutsche, dem nach 1945 diese Auszeichnung verliehen wird. Er habe »den bösen Zauber gebrochen, der über Deutschlands Vergangenheit lag«, so formuliert es Akademiemitglied Horace Engdahl in seiner Laudatio. Mit seinem später auch erfolgreich verfilmten Roman »Die Blechtrommel« trat Grass 1959 ins literarische Rampenlicht. Zusammen mit der Novelle »Katz und Maus« (1961) und dem Roman »Hundejahre« (1963), entstand im Lauf der Jahre die später von Grass so bezeichnete »Danziger Trilogie«. Durch die »Blechtrommel« lernte er früh, »dass Bücher Anstoß erregen, Wut, Hass freisetzen können. Was aus Liebe dem eigenen Land zugemutet ward, wurde als Nestbeschmutzung gelesen«, so Grass in seiner Stockholmer Nobel-Vorlesung.

Grass – ein Literat, der sich stets unüberhörbar ins politische Tagesgeschäft einmischte – betrachtete sein Engagement, ähnlich wie Böll, stets als Pflicht des Künstlers. 1993 verließ der ehemalige Willy Brandt-Wahlkämpfer aus Protest gegen die Zustimmung der Partei zur Asylrechtsänderung die SPD.

Zu seinen weiteren Veröffentlichungen zählen u.a. »Der Butt« (1977), »Die Rättin« (1986) und der Roman »Ein weites Land« (1995) über die deutsche Wiedervereinigung. Mit dem 1999 erschienenen Buch »Mein Jahrhundert« zieht Grass persönlich Bilanz. Daneben hat sich Grass auch als Lyriker und Zeichner einen Namen gemacht. Schon lange galt Günter Grass als Anwärter auf den Nobelpreis. Das Warten auf diese höchste literarische Ehrung habe in jung gehalten, sagte der 71-jährige am 30. September auf die Nachricht aus Stockholm. Jetzt beginne »unwiderruflich das Alter«.

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Zeitungen zum 10.12.1999