10. September 1919: Österreich verliert Gebiete

10. September 1919: Österreich verliert Gebiete
Die territoriale Aufteilung Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg - AlphaCentauri [CC BY-SA 3.0], from Wikimedia Commons

+++ VOR 100 JAHREN +++

Der Vertrag von Saint-Germain bringt Deutschösterreich u.a. größere Gebietsabtretungen und die Verpflichtung zu Reparationen.

Der deutschösterreichische Staatskanzler Karl Renner (SPÖ) unterzeichnet bei Paris den Friedensvertrag zwischen den Siegermächten des Ersten Weltkriegs und Deutsch-österreich.

Der Vertrag behandelt Deutschösterreich als Nachfolgestaat der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie. Das Land muss umfangreiche Gebietsabtretungen akzeptieren, u.a. fallen Südtirol und das Kärntner Kanaltal an Italien, Der Staatsname wird in Österreich umgewandelt, die allgemeine Wehrpflicht verboten und Reparationen werden vereinbart.

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Zeitungen zum 10.09.1919

Die wichtigsten Bestimmungen der 381 Artikel des Vertrages von Saint-Germain sind:

  • Böhmen, Mähren, Österreichisch-Schlesien und einige Gemeinden Niederösterreichs (u. a. Feldsberg, der Bahnhof Gmünd und andere Gemeinden) gehen an die neu gegründete Tschechoslowakei, das Selbstbestimmungsrecht der deutschsprachigen Bevölkerung im Sudetenland (Deutschböhmen und Deutschmährer), die im Oktober 1918 die eigenständige Provinzen Deutschböhmen und Sudetenland gegründet hatten, findet dabei keine Berücksichtigung.
  • Galizien geht an Polen.
  • Südtirol, Welschtirol, das Kanaltal und Istrien gehen an Italien.
  • Die Bukowina geht an Rumänien.
  • Dalmatien, Krain, Teile der Untersteiermark sowie das Kärntner Mießtal und das Seeland gehen an das neue Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen.
  • Über Südkärnten ist eine Volksabstimmung darüber, ob es künftig zu Österreich oder zu Jugoslawien gehören möchte, durchzuführen.
  • Deutsch-Westungarn geht an Österreich und erhält den Namen Burgenland (der Name rührt von den vier Komitaten Wieselburg, Eisenburg, Ödenburg und Pressburg her, aus deren Teilen das Burgenland gebildet wird).
  • Ein Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich sowie die Verwendung des Staatsnamens „Deutschösterreich“ wird verboten.
  • Österreich und die Tschechoslowakei werden zu Reparationszahlungen verpflichtet.
  • Eine allgemeine Wehrpflicht wird verboten. Es wird nur ein Berufsheer von 30.000 Mann erlaubt. Rüstungsfabriken und Waffen müssen zerstört werden.
  • Die Gründung des Völkerbunds und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), beides Schritte, welche den Vertrag bzw. die gesamten Pariser Vorortverträge von vorhergehenden Friedensverträgen deutlich unterscheiden.

Nach Abtrennung dieser Gebiete blieb von Österreich (Cisleithanien) ein Reststaat von etwa 6,5 Millionen Einwohnern. Ungarn wurden ähnlich wie Österreich harte Bedingungen und Reparationen auferlegt.

Der Vertrag von Saint-Germain trat am 16. Juli 1920 förmlich in Kraft und bestätigte die Auflösung Österreich-Ungarns auch völkerrechtlich.