11. Februar 1990: Ende der Apartheid in Sicht

11. Februar 1990: Ende der Apartheid in Sicht
Basil Coronakis, Herausgeber von New Europe (links), interviewt Nelson Mandela in Johannesburg. Dies war eines der ersten Interviews, das Mandela 1990, 27 Jahre nach seiner Inhaftierung, gab. - https://www.flickr.com/photos/abkor/26673933865/ [Public domain]

+++ EREIGNISSE VOR 30 JAHREN +++

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Zeitungen zum 11.02.1990
Die Freilassung Nelson Mandelas schürt weltweit die Hoffnung auf eine friedliche Abkehr von der Rassentrennungspolitik in Südafrika.

Nach über 27 Jahren Haft wird der südafrikanische Schwarzen Führer Nelson Mandela auf freien Fuß gesetzt und von zehntausenden Anhängern begeistert empfangen. Mit der Freilassung des »berühmtesten Gefangenen der Welt« können die Verhandlungen beginnen, die zum Ende der Apartheid führen sollen. Das international geächtete Prinzip der Rassentrennung setzte die Herrschaft von 5,1 Mio. Weißen über 29,8 Mio. Schwarze durch. Der Reformprozess wurde wenige Wochen nach der Amtseinführung von Präsident Frederik Willem de Klerk eingeläutet, als dieser im Oktober 1989 acht prominente Gefangene aus der Haft entließ, darunter auch den früheren ANC-Generalsekretär Walter Sisulu. Am 2. Februar hob de Klerk das Verbot der Schwarzen Organisation ANC sowie 33 weiterer Organisationen auf.

Die politische Wende unter de Klerk hat mehrere Ursachen. International wirkte sich das Ende des Ost-West-Konflikts aus. Ideologische Differenzen, die auch zwischen den weißen Machthabern und der Anti-Apartheid-Opposition eine Rolle spielten, traten in den Hintergrund. Zudem musste der Präsident der Wirtschaftskrise und den Sanktionen Tribut zollen. Zunehmend verarmten weiße Südafrikaner.

Noch 1990 werden bei der Demokratisierung (26.4.1994) große Fortschritte erzielt, u.a. die Aufhebung des Ausnahmezustands in drei von vier Provinzen und die Ankündigung der Freilassung von 3000 politischen Gefangenen.

DOKUMENT: Apartheid

Kurz nach seiner Freilassung am 11. Februar 1990 hält Nelson Mandela in Kapstadt seine erste Rede:

»Wir haben gar keine andere Wahl als weiter zu kämpfen. Deswegen wollen wir hier nochmals die Hoffnung äußern, dass bald ein Klima hergestellt wird, das eine ausgehandelte Abmachung fördert. Verhandlungen über die Abschaffung der Apartheid müssen dem überwältigenden Wunsch unserer Bevölkerung nach einem demokratischen, nichtrassistischen und geeinten Südafrika Rechnung tragen. Die weiße Vorherrschaft muss beendet und das politische wie ökonomische System grundsätzlich restrukturiert werden, damit auch glaubhaft wird, dass unsere Gesellschaft sich demokratisiert…

Nur mit disziplinierten Massenprotesten können wir unseres Sieges sicher sein. Ich fordere unsere weißen Landsleute auf, beim Bau eines neuen Südafrikas mitzumachen… Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, die Kampagne zur Isolierung des Apartheidregimes fortzusetzen. Jetzt Sanktionen zu lockern, birgt die Gefahr in sich, die vollständige Zerstörung der Apartheid zu verhindern. Es gibt keine Umkehr auf dem Weg zur Freiheit.«