12. Januar 1970: Biafrakrieg beendet – Hungertragödie hält an

12. Januar 1970: Biafrakrieg beendet – Hungertragödie hält an
Eine stark unterernährte Frau während des Biafrakriegs. - Unknown CDC employee (Dr. Lyle Conrad?) [Public domain]

+++ EREIGNISSE VOR 50 JAHREN +++

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Zeitungen zum 12.01.1970
Biafra, die Ostprovinz Nigerias, verliert den zweieinhalb Jahre währenden Kampf um die Unabhängigkeit.

Mit dem Sieg der nigerianischen Bundestruppen endet der im Juli 1967 ausgebrochene Bürgerkrieg. Die unabhängige Republik Biafra hört auf zu existieren. Der Krieg hat 2 Mio. Menschen das Leben gekostet, rd. 75% davon starben an Unterernährung.

Kapitulation:

Über Rundfunk gibt der Staatschef von Biafra, Philip Effiong, in militärisch aussichtsloser Lage die bedingungslose Kapitulation bekannt. Zuvor hatte der Unabhängigkeitsführer und ehemalige Staatschef, General Chukwuemeka Odumegwu Ojukwu, das Land verlassen. Der nigerianische Staatschef General Yakubu Gowon verkündet für die Gegner der Zentralregierung sowie für die Zivilbevölkerung eine Amnestie.

Kriegsausbruch:

Hintergrund des Bürgerkriegs sind die rivalisierenden Machtansprüche der kulturell und religiös unterschiedlich geprägten Volksstämme. Der Konflikt zwischen den christlichen Ibos, die Spitzenpositionen in Verwaltung und Wirtschaft besetzten, und den islamischen Stämmen des Nordens verschärfte sich, nachdem Nigeria 1960 unabhängig geworden war. 1966 kam es zu zwei Militärputschen, als deren Sieger der aus dem Norden stammende General Yakubu Gowon hervorging. Im Norden kam es zu Pogromen, denen 50 000 Ibo zum Opfer fielen. 500 000 Menschen flüchteten in den Süden. Am 30. Mai 1967 erklärte sich die Ostprovinz, das Stammland der Ibo, zur unabhängigen Republik Biafra.

Hungersnot:

In dem während des Kriegs eingeschlossenen Biafra starb rd. die Hälfte aller Kinder an Hunger, Krankheiten und Verletzungen. Die grausamen Bilder von verhungernden Kindern rüttelten das Gewissen der Welt auf. In einer beispiellosen Aktion brachten 33 kirchliche Hilfswerke aus 21 Ländern 80 000 t Lebensmittel ins Land. Das Massensterben geht weiter, als Gowon am 14. Januar jede weitere humanitäre Hilfe verbietet, mit dem Hinweis, dass sich Nigeria nun selbst um das Schicksal der leidenden Bevölkerung kümmern würde.