14. Februar 2017: Deniz Yücel meldete sich selbst bei der Polizei

14. Februar 2017: Deniz Yücel meldete sich selbst bei der Polizei
Deniz Yücel (2014) - By blu-news.org (Deniz Yücel) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Ein Gericht in Istanbul entscheidet, den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel in Untersuchungshaft zu überstellen. Die Inhaftierung des 43-Jährigen stößt in Deutschland auf heftige Kritik.
Yücel meldete sich am 14. Februar selbst bei der Polizei, nachdem er erfahren hatte, dass nach ihm und weiteren Journalisten im Zusammenhang mit Berichten über den türkischen Energieminis­ter Berat Albayrak gefahndet wurde. Das E-Mail-Konto des Ministers war gehackt worden; dadurch wurden u. a. Albayraks Verbindungen zur Ölindustrie bekannt. Die türkischen Behörden werfen Yücel nun Propaganda und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Datenmissbrauch und Aufwiegelung der Bevölkerung vor. Deniz Yücel ist seit 2015 Türkei-Korrespondent für die Zeitung »Die Welt«. Der 1973 in Deutschland geborene Journalist hat einen deutschen und einen türkischen Pass. Nach 13 Tagen in Polizeigewahrsam wird er nun in die Untersuchungshaft überstellt. Ein Angehöriger der deutschen Botschaft darf ihn erst nach sechs Wochen besuchen. Da in der Türkei der Ausnahmezustand herrscht, kann eine Untersuchungshaft bis zu fünf Jahre dauern.

Deutsche Politiker, Freunde und Kollegen Yücels fordern seine sofortige Freilassung, und es finden zahlreiche Solidaritätsveranstaltungen statt. Ein Haftende kann jedoch nicht erreicht werden. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft Yücel vor, ein deutscher Agent zu sein. Im April erklärt er zudem in einem Interview, Deutschland verweigere die Auslieferung türkischer Staatsbürger, daher würden Deutsche wie Yücel auch nicht überstellt. In der Folgezeit werden zahlreiche weitere Journalisten inhaftiert. Bis September 2017 sollen es 170 sein. Auch andere deutsche Reisende werden festgenommen.