14. März 1960: Rückblick 1960 – Schwierige Annäherung an Israel

14. März 1960: Rückblick 1960 – Schwierige Annäherung an Israel
Israelischer Premierminister David Ben Gurion - 1960 - Fritz Cohen [Public domain]

+++ EREIGNISSE VOR 60 JAHREN +++

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Zeitungen zum 14.03.1960
Das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel gewinnt durch ein Treffen beider Regierungschefs an Kontur. In der DDR wird die Zwangskollektivierung abgeschlossen.

Israel:

Erstmals nach dem nationalsozialistischen Völkermord an 6 Mio. Juden kommt es am 14. März in New York zu einer Begegnung auf höchster politischer Ebene, Während seines USA-Besuchs trifft Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) mit dem israelischen Staatsgründer und Ministerpräsidenten David Ben Gurion zusammen. Das kurzfristig zu Stande gekommene Treffen wird wegen der antisemitischen Aktionen in der Bundesrepublik als politische Sensation gewertet. Die Möglichkeit einer Aufnahme diplomatischer Beziehungen wird im Hinblick auf die deutschen Kontakte zu arabischen Staaten je doch abgelehnt. Ben Gurion, der sich für die Aussöhnung mit Deutschland einsetzte, erhält die geheime Zusage für Waffenlieferungen und Wirtschaftshilfen. Adenauer bestätigt bei dem 90-minütigen Gespräch die Verantwortung des deutschen Volkes für den Völkermord und resümiert: »Ich bin tief bewegt über diese Zusammenkunft mit Ben Gurion.«

Hakenkreuze:

Am 16. Januar verurteilt Bundeskanzler Adenauer in einer Rundfunkansprache die antisemitischen Vorfälle der letzten Wochen. Seit dem 24. Dezember 1959 werden an zahlreichen Orten in der Bundesrepublik Synagogen, Kirchen und öffentliche Gebäude mit nationalsozialistischen Parolen und Symbolen beschmiert.

Gastarbeiter:

Vollbeschäftigung und sogar Arbeitskräftemangel charakterisieren die Situation auf dem bundesdeutschen Arbeitsmarkt. Einziger Ausweg ist die Anwerbung von ausländischen Arbeitnehmern. Nach einer Arbeitsmarktstatistik fehlen der Wirtschaft 410 000 Arbeitskräfte. Die Bundesregierung kündigt am 20. April an, dass sie sich verstärkt um ausländische Arbeitskräfte bemühen werde und zunächst auf 100 000 Beschäftigte aus südeuropäischen Ländern hoffe.

Adenauer-Fernsehen:

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe erlässt am 17. Dezember eine einstweilige Anordnung gegen die vom Bund gegründete privatrechtliche Deutschland-Fernsehen-GmbH. Die geplante Ausstrahlung eines zweiten Fernsehprogramms ab 1. Januar 1961 wird damit verhindert. Nach jahrelangem Streit mit den Bundesländern hatte Bundeskanzler Adenauer am 25. Juli die Gesellschaft gegründet und Justizminister Fritz Schäffer (CSU) anstelle der Länder als Treuhänder eingesetzt. Die Länder beharren darauf, dass die Errichtung eines zweiten Fernsehprogramms nur durch einen öffentlich-rechtlichen Staatsvertrag in der Regie der Landesrundfunkanstalten erfolgen könne. Zerstörer: Im Hamburger Hafen läuft am 20. März der erste in der Bundesrepublik gebaute Zerstörer vom Stapel. Das bisher größte Schiff der Bundesmarine wird auf den Namen Hamburg getauft. Der Ausbau der noch wenig schlagkräftigen Bundesmarine soll zügig vorangetrieben werden,