15. Mai 1939: Der Friede in Europa bröckelt

15. Mai 1939: Der Friede in Europa bröckelt
Der tschechische Präsident Emil Hácha (zweiter von links) am 14./15. März 1939 in der Reichskanzlei im Gespräch mit Hitler und Göring. Bundesarchiv, B 145 Bild-F051623-0206 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

+++ VOR 80 JAHREN +++

Unter offenem Bruch gültiger Verträge setzt Hitler seine Aggressionspolitik fort und marschiert in Prag ein. Auch die Westmächte richten sich nunmehr auf einen Krieg ein.

Deutsche Truppen marschieren in der tschechoslowakischen Hauptstadt ein. In der Nacht hatte Staatspräsident Emil Hácha unter massiven Drohungen Hitlers, u.a. der Bombardierung Prags, eine Erklärung unterzeichnet, die »das tschechische Volk unter den Schutz des Deutschen Reiches« stellt. Mit dieser erpressten Unterwerfungserklärung ist die Tschechoslowakei als souveräner Staat zerschlagen.

Hitler hatte auch nach dem Münchener Abkommen (29.9.1938), in dem er im Zuge der Einverleibung des Sudetenlandes zusicherte, keine weiteren Gebietsforderungen zu stellen, sein Ziel einer »Zerschlagung der Rest-Tschechei« nicht aus den Augen verloren. Er lehnte jede Grenzgarantie für den nach München fast um ein Drittel verkleinerten Staat ab.

Anders als beim »Anschluss« Österreichs (12.3.1938) fahren die deutschen Soldaten nicht durch Jubelspaliere mit Hakenkreuzfähnchen. Sie werden von der empörten Bevölkerung mit Hohnrufen, schweigend geballten Fäusten oder Nichtbeachtung empfangen.

Am 16. März verkündet der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop die Bildung des Reichsprotektorats Böhmen und Mähren als »autonomer« Teil des Großdeutschen Reiches. Der slowakische Ministerpräsident Jozef Tiso proklamierte am 14. März, wie von Hitler verlangt, in Pressburg die unabhängige Republik Slowakei.

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Zeitungen zum 15.05.1939

Memelland besetzt:

Am 23. März unterzeichnet Hitler an Bord der »Deutschland« vor Memel das Reichsgesetz über die Eingliederung des Memellands in Preußen. Zur Wahrung der litauischen Interessen wird eine litauische Freihandelszone in Memel eingerichtet. Im Versailler Vertrag (28.6.1919) war das Grenzland zwischen Ost-Preußen und Litauen vom Deutschen Reich abgetrennt worden. Am 20. März forderte Reichsaußenminister von Ribbentrop Litauen ultimativ auf, das Memelland zurückzugeben. Am 22. März wurde der Rückgabevertrag unterzeichnet.

Ende des »Appeasement«:

Unter dem Eindruck des deutschen Einmarsches in Prag kündigt der britische Premierminister Arthur Neville Chamberlain am 17. März die Abkehr von der Beschwichtigungspolitik an. Persönliche Enttäuschung und die Entrüstung der Öffentlichkeit sowie die Erkenntnis, dass die Stabilität Europas durch die deutsche Expansions- und Gewaltpolitik ernsthaft gefährdet ist, veranlassten Chamberlain zu dem Kurswechsel. Der britische Premierminister plant nunmehr ein aktives Eingreifen zur Friedenssicherung. Noch am gleichen Tag zieht London seinen Botschafter aus Berlin ab. Zusammen mit Frankreich garantiert Großbritannien am 31. März Hilfe für Polen und schließt am 25. August einen britisch-polnischen Beistandspakt.