16. Oktober 1978: Drei Päpste in einem Jahr

16. Oktober 1978: Drei Päpste in einem Jahr
Johannes Paul II. - Begrüßung der Menge auf dem Petersplatz, 22. April 1987 - By Benutzer:Dr. Meierhofer [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

+++ VOR 40 JAHREN +++

Nach dem Tod von Papst Paul VI. stirbt sein Nachfolger Papst Johannes Paul I. nach kurzer Zeit, so dass die zweite Papstwahl in einem Jahr notwendig wird.

Das Kardinalskonklave wählt den polnischen Kardinal Karol Wojtyla zum neuen Papst. Mit der sensationellen Wahl des Erzbischofs von Krakau sitzt erstmals seit 456 Jahren ein Nicht-Italiener und zum ersten Mal überhaupt ein Pole auf dem Stuhl Petri.
Der 58-jährige tritt als Johannes Paul II. die Nachfolge von Johannes Paul I. an, der nach einer der kürzesten Amtszeiten eines Papstes in der Kirchengeschichte starb.
Mit seiner Namenswahl bringt Johannes Paul II., der als Sohn eines Eisenbahners geboren wurde, zum Ausdruck, dass er wie sein unmittelbarer Vorgänger das Werk von Johannes XXIII. und Paul VI. fortzusetzen gedenkt. Beide bemühten sich um eine Öffnung der katholischen Kirche. Auch in der ersten Predigt als Papst vor den Kardinälen, die traditionell programmatischen Charakter hat, sagt Johannes Paul II., er wolle die vom Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleitete innere Reform der Kirche weiter fortsetzen. Besondere Beachtung wolle der neue Pontifex Maximus auch der Ökumene schenken. Für das kommunistische Regime in Polen bedeutet die Wahl des Krakauer Erzbischofs nach Einschätzung politischer Beobachter und polnischer Bürgerrechtler eine nicht geringe Herausforderung.

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Zeitungen zum 16.10.1978

Etwa 90% aller Polen sind praktizierende Katholiken. Die gesellschaftliche und politische Bedeutung der Kirche in Polen ist in Europa nur mit der in Italien und Spanien vergleichbar.
Die Kommunistische Partei Polens versuchte denn auch seit ihrer Machtübernahme 1944/45, den Einfluss der Kirche zurückzudrängen. Die Finanzmittel der Kirche wurden drastisch gekürzt, große Teile des Kirchenbesitzes verstaatlicht, die Schließung zahlreicher Kirchen verfügt. Vor allem waren in den 50er Jahren zeitweise mehrere hundert Geistliche, die sich den staatlichen Pressionen widersetzten, inhaftiert. Zur Symbolfigur des Selbstbehauptungswillens der Kirche wurde der Primas von Polen, Kardinal Stefan Wyszynski, der von 1953 bis 1956 im Gefängnis saß.
Von der Wahl eines Polen zum Papst erwarten viele Kenner der Verhältnisse in Polen einen deutlichen Auftrieb für die katholische Kirche des Landes und nicht zuletzt für die mit ihr verbündete Oppositionsbewegung.

Der Lächelnder Papst

Am 26. August wählt die Kardinalsversammlung nach ungewöhnlich kurzem Konklave Albino Luciani zum neuen Papst. Die Wahl des Kardinals von Venedig ist für die meisten eine Überraschung, da der als reformfreudig geltende Luciani nicht zum engeren Favoritenkreis gerechnet wurde. Luciani nennt sich Johannes Paul I. und erhält von den Gläubigen wegen seines fröhlichen Auftretens schon bald den Beinamen »Der lächelnde Papst«. Nach nur 34-tägigem Pontifikat stirbt Johannes Paul I. In einer offiziellen Verlautbarung tritt der Vatikan allen Gerüchten energisch entgegen, der Papst sei einem Komplott zum Opfer gefallen. Der Papst sei, so ein Vatikanspreche an einem Herzanfall gestorben.