17. August 1960: Afrikanische Staaten werden unabhängig

17. August 1960: Afrikanische Staaten werden unabhängig
Algerienkrieg: Algier während der Barrikadenwoche von 1960. By Christophe Marcheux (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

+++ EREIGNISSE VOR 60 JAHREN +++

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Zeitungen zum 17.08.1960
Der »Wind des Wandels« erfasst 1960 den afrikanischen Kontinent. Insgesamt 17 Staaten werden von den Kolonialmächten Frankreich, Großbritannien und Belgien in die Unabhängigkeit entlassen.

In der Hauptstadt Libreville feiert das westafrikanische Gabun seine Unabhängigkeit. Der Prozess, der zur Unabhängigkeit der Kolonien führte, verlief in den französischen, britischen und belgischen Gebieten unterschiedlich. Die meisten der neuen Staaten bleiben über die französische Staatengemeinschaft Communauté oder das britische Commonwealth in enger Verbindung mit ihren ehemaligen Mutterländern. Die Folgen der Kolonialzeit – willkürliche Grenzziehung, fremde europäische Konzepte eines Nationalstaats und bleibende wirtschaftliche Abhängigkeit – belasten die Zukunft der Ex-Kolonien. Politische Instabilität und blutige Konflikte sind oft die Folgen.

Anders als in Indochina oder im nordafrikanischen Algerien gelang den französischen Kolonien in Schwarzafrika ein weitgehend friedlicher Übergang. Guinea hatte 1958 in einer Volksabstimmung gegen die neue französische Verfassung der V. Republik gestimmt und seine sofortige Unabhängigkeit proklamiert. Noch im gleichen Jahr sprachen sich weitere afrikanische Territorien für die Selbstständigkeit aus und das in Artikel 76 der neuen Verfassung vorgesehene Statut als Mitgliedstaat in der Communauté.

1960 wurden Dahomey (seit 1975 Benin), Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire), Gabun, Kamerun, Kongo, Madagaskar, Mali, Mauretanien, Niger, Obervolta (seit 1984 Burkina Faso), Senegal (nach dem Austritt aus der Mali-Föderation 1960), Togo (ehemaliges französisches Mandatsgebiet), Tschad und die Zentralafrikanische Republik unabhängig.

Großbritanniens Kolonialpolitik folgte – nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen – dem Prinzip der indirekten Verwaltung. Die Entwicklung eines Staates schloss nach britischen Vorstellungen mit dem Status eines Dominions, eines autonomen Territoriums im britischen Empire, ab. Die Unabhängigkeit der ehemals britischen Kolonie Goldküste, seit dem Jahr 1957 als Ghana unabhängig, hatte dabei Vorbildcharakter. 1960 wurde Somalia, der Zusammenschluss eines britischen Protektorats und eines italienisch verwalteten Treuhandgebiets, unabhängig. Der Vielvölkerstaat Nigeria, seit 1885 britisches Protektorat, erlangte im gleichen Jahr die Unabhängigkeit.

Völlig unvorbereitet entließ Belgien seine Republik Kongo- das spätere Zaïre – am 30. Juni in die Unabhängigkeit. Ein sich anschließender blutiger Bürgerkrieg stürzte das afrikanische Land ins Chaos.

Die Gründe der Kolonialmächte, ihre Territorien in die Freiheit zu entlassen, sind vielfältig. Die Einsicht in Autonomierechte der afrikanischen Gebiete oder der Druck einheimischer Befreiungsbewegungen waren eher seltene Motive.

Eine Zäsur war der Zweite Weltkrieg, der die europäischen Kolonialmächte wirtschaftlich geschwächt hatte. Zudem erlitten diejenigen Kolonialmächte, die von Deutschland besetzt worden waren (Niederlande, Belgien, Frankreich) oder den Krieg als Verlierer beendet hatten (Italien, Japan), einen erheblichen Prestigeverlust gegenüber den Kolonien.

Der seit 1954 andauernde Algerienkonflikt und die Sueskrise im Jahr 1956 trugen ebenfalls dazu bei, dass die kolonialen Mächte über ein neues Verhältnis zu »ihren« Kolonien nachzudenken bereit waren.