17. Juli 1979: Sandinisten verjagen Somoza-Clan

17. Juli 1979: Sandinisten verjagen Somoza-Clan
Anastasio Somoza Debayle trifft US-Präsidenten Richard Nixon. Juni 1971 - Jack E. Kightlinger, 1932-2009, Photographer (NARA record: 8451338) [Public domain], via Wikimedia Commons

+++ VOR 40 JAHREN +++

Mit dem Sieg der linksgerichteten Sandinisten im Bürgerkrieg endet die mehr als 42-jährige Herrschaft der Familie Somoza über Nicaragua.

Nach einem 18-monatigen blutigen Bürgerkrieg flieht der 54-jährige Diktator von Nicaragua, Anastasio Somoza Debayle, ins Exil nach Florida. Die Macht übernimmt am 20. Juli eine Junta, der Vertreter der verschiedenen Oppositionsgruppen angehören.

Folgen des Kriegs:

Der Krieg hat das mittelamerikanische Land schwer gezeichnet. Uber 20 000 Menschen kamen bei den Kämpfen um, rd. ein Viertel der Bewohner ist obdachlos, ohne Arbeit und leidet Hunger. Die Kriegsschäden werden auf 1,4 Mrd. € geschätzt.

Somoza-Clan:

Seit 1937 herrscht die Familie Somoza über das Land. Der Vater des jetzt vertriebenen Diktators, Anastasio Somoza García, übte mit nur einer Unterbrechung (1946-1950) die Gewaltherrschaft aus. Nach seiner Ermordung 1956 übernahm sein Sohn die Führung. Insgesamt brachte der Somoza-Clan rd. ein Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche mitsamt Tabak-, Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen in seinen Besitz.

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Zeitungen zum 17.07.1979

Rebellion:

In den 70er Jahren nahmen die Aktivitäten der 1962 gegründeten Sandinistischen Befreiungsfront (FSNL) zu. Ihre Ziele, zu denen die Rückeroberung der nationalen Souveränität und die Umgestaltung der Gesellschaft gehörten, verfolgen sie u.a. mit Überfällen und dem allmählichen Aufbau einer »befreiten Zone«. Die Ermordung des führenden Oppositionspolitikers und Zeitungsverlegers Pedro Joaquín Chamorro durch Somoza-Anhänger im Januar 1978 gab das Signal zum Ausbruch des offenen Bürgerkriegs. In dessen Verlauf wurde Somoza Debayle zunehmend politisch isoliert, bis die USA im Februar 1979 ihre Militärhilfe einstellten. Somoza Debayle wird 1980 in seinem Exil in Paraguay ermordet.

Neue Regierung:

Die Junta mit dem einzigen überlebenden Gründungsmitglied der Sandinisten, Tomás Borge als Innenminister, benennt als Sofortmaßnahmen die Verstaatlichung aller 51 Unternehmen des Somoza-Clans sowie der privaten Banken und Bodenschätze.

Hintergrund: Soziale Revolution

Die Freiheitskämpfer in Nicaragua berufen sich auf den Guerillaführer Augusto César Sandino (1893-1934), der wegen seiner militärischen Erfolge und Unbestechlichkeit zur Legende wurde. Der Kampf des Sozialrevolutionärs gegen Fremdherrschaft und einheimische Oligarchie wurde wegweisend für Lateinamerika.

1927 setzte sich Sandino an die Spitze eines erfolgreichen Guerillakrieges gegen die in Nicaragua als Besatzer auftretenden US-Truppen. Nach dem Abzug der US-Truppen 1933 führte die nicaraguanische Nationalgarde unter General Anastasio Somoza García den Kampf gegen die Rebellen weiter. Somoza lockte Sandino in eine Falle und ließ ihn umbringen.