17. September 1978: Friedensprozess im Nahen Osten

17. September 1978: Friedensprozess im Nahen Osten
v. l. n. r.: Anwar as-Sadat, Jimmy Carter und Menachem Begin in Camp David. See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

+++ VOR 40 JAHREN +++

Der Durchbruch von Camp David ist ein erster konstruktiver Schritt im komplizierten Friedensprozess im Nahen Osten.

Auf dem Landsitz von US-Präsident Jimmy Carter unterzeichnen der ägyptische Staatschef Muhammad Anwar As Sadat und der israelische Ministerpräsident Menachem Begin nach 13-tägigen Verhandlungen zwei Abkommen, die zu einem Frieden im Nahen Osten führen sollen.
Eines der beiden Dokumente, unter die neben Sadat und Begin Präsident Carter seine Unterschrift »als Zeuge« setzt, ist ein »Rahmenabkommen über den Abschluss eines Friedensvertrags zwischen Ägypten und Israel«. Es sieht die Unterzeichnung eines endgültigen Friedensvertrages innerhalb von drei Monaten vor. Israel soll sich darin verpflichten, innerhalb von drei Jahren seine Streitkräfte von der Halbinsel Sinai zurückzuziehen. Nach Beginn des Truppenabzuges ist die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden langjährigen Kriegsgegnern vorgesehen.
Das zweite Abkommen behandelt Voraussetzungen einer umfassenden Friedenslösung für den Nahen Osten. So soll Israel innerhalb von fünf Jahren eine autonome Verwaltung für die besetzten Gebiete in Westjordanien und im Gazastreifen einrichten und seine dort stationierten Streitkräfte zurückziehen. Gleichzeitig sind Verhandlungen vorgesehen, an denen neben Israel und Ägypten auch Vertreter Jordaniens und der Palästinenser teilnehmen. Israel soll während dieser Verhandlungen auf den Bau weiterer jüdischer Siedlungen in den besetzten arabischen Gebieten verzichten. Über den künftigen Status von Jerusalem konnten Sadat und Begin keine Einigung erzielen.

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Zeitungen zum 17.09.1978

Reaktionen:
Die Abkommen von Camp David werden in Israel und Ägypten größtenteils mit Freude und Erleichterung aufgenommen. Bei seiner Rückkehr nach Kairo wird Sadat begeistert gefeiert. Dagegen empfinden sowohl ägyptische Nationalisten als auch die Mehrheit der anderen arabischen Staaten die Erträge als Verrat an der arabischen Sache. In der syrischen Hauptstadt Damaskus treffen am 20. September 1978 die Regierungschefs Algeriens, Syriens, Libyens und der Volksrepublik Jemen mit dem Führer der Palästinensischen Befreiungsfront, Jasir Arafat, zusammen, um über Maßnahmen zur Bekämpfung der »Verschwörung gegen die arabische Nation« zu beraten. Sie beschließen u.a. den Abbruch der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Ägypten. Unterstützt werden die Sadat-Gegner von der UdSSR, die die Abkommen von Camp David als »Komplott« bezeichnet.

Verhandlungen:

Die eigentlichen Friedensverhandlungen zwischen Ägypten und Israel beginnen am 12. Oktober 1978 in Washington. Nachdem zunächst gute Fortschritte erzielt werden können, kommt es nach einer Ankündigung Israels, die umstrittene Siedlungspolitik fortsetzen zu wollen, zu einer deutlichen Verschlechterung des Verhandlungsklimas.
Dennoch wird 1979 ein Friedensvertrag geschlossen.
Vorgeschichte:
Die Tür zum Frieden stieß Sadat am 19. November 1977 mit seiner Reise nach Israel auf. Es war das erste Mal, dass ein führender ägyptischer Politiker den jüdischen Staat besuchte. Sadat hatte am 9. November vor dem Parlament in Kairo eine vielbeachtete Rede gehalten, in der er sich für eine direkte Kontaktaufnahme mit Israel aussprach. Er hatte seine Bereitschaft erklärt, auch vor dem israelischen Parlament zu sprechen.
Am Abend des 19. November traf Sadat in Jerusalem ein, wo er am Flughafen von der gesamten israelischen Führung begrüßt wurde. Noch am selben Tag führte er ein erstes Gespräch mit Begin. Am 20. November besuchte Sadat u.a. die Al-Aksa-Moschee und die Grabeskirche.