18. Februar 1943: Diese Stunde der Idiotie!…

Reichspropagandaminister Joseph Goebbels ruft in einer aufpeitschenden Rede zur Mobilisierung der letzten Reserven für den Krieg auf.
Im Sportpalast hält Goebbels eine demagogische und theatralische Rede, mit der er die Deutschen nach dem Desaster von Stalingrad zu weiteren Opfern und größeren Anstrengungen motivieren will. Das geladene Publikum soll einen repräsentativen Querschnitt durch die Bevölkerung darstellen, womit der Eindruck einer Volksabstimmung erweckt werden soll.
Ein einziges Spruchband dient als Saalschmuck. Auf ihm steht zu lesen: »Totaler Krieg – kürzester Krieg«. Goebbels erklärt, seinen Zuhörern ein »ungeschminktes Bild der Lage« geben zu wollen und warnt vor dem Untergang der abendländischen Kultur. Nur durch radikale Maßnahmen sei sie vor dem Bolschewismus zu retten. Demagogisch stellt er den Zuhörern zehn Fragen, die in der Aufforderung zu einer Bejahung weiterer Kriegsanstrengungen kulminieren. Auf die Frage »Wollt ihr den totalen Krieg?« antwortet die fanatisierte Menge mit einem tosenden »Ja«. Nach dem Ende der Rede bricht Beifall los, der im Rundfunk noch eine halbe Stunde lang übertragen wird.
Wesentlicher Zweck der Rede ist die Einschwörung auf die »Volks- und Schicksalsgemeinschaft«. Später notiert Goebbels zynisch: »Diese Stunde der Idiotie! Hätte ich gesagt, sie sollen aus dem dritten Stock des Kolumbus-Hauses springen, sie hätten es auch getan!«

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Zeitungen zum 18.02.1943