2. Mai 1989: Ungarn öffnet Grenze

2. Mai 1989: Ungarn öffnet Grenze
Durchbruch von Ungarn nach Österreich am 19. August 1989. - Wik1966total [CC BY-SA 3.0], from Wikimedia Commons

+++ VOR 30 JAHREN +++

Als erstes Land im kommunistisch dominierten Osteuropa durchstößt das reformorientierte Ungarn den »Eisernen Vorhang« und baut seine Grenzanlagen zum Westen ab.

Ungarische Soldaten beginnen damit, die Sperranlagen zu Österreich abzubauen. Damit fällt nicht nur eine der bestbewachten Grenzen Europas, es öffnet sich auch ein neuer Fluchtweg für DDR-Bürger.

Reformpolitik:

Partei und Regierung Ungarns hatten 1988/89 eine grundlegende Umgestaltung des politischen und wirtschaftlichen Systems eingeleitet, die zu diesem Zeitpunkt weiter geht als im übrigen Europa. Dem KP-Beschluss auf tiefgreifende Staatsreformen vom 23. Mai 1988, der u.a. die Besetzung der Parteispitze mit Reformpolitikern vorsah, folgte am 11. Februar 1989 die Entscheidung für ein Mehrparteiensystem. Am 23. Oktober, dem Jahrestag des Beginns des ungarischen Volksaufstandes (4.11.1956), erklärt Staatspräsident Mátyás Szürös vor zehntausenden jubelnden Menschen die bisherige »Volksrepublik Ungarn« zu einer Republik.

DDR-Flüchtlinge:

Seit Juli suchen zunehmend mehr DDR-Bürger Zuflucht in den Bonner Botschaften in Budapest und Prag. Im August setzt ein nicht abreißender Flüchtlingsstrom über die »grüne Grenze« zwischen Ungarn und Österreich ein. Am 11. September um 0 Uhr lässt die ungarische Regierung in Anbetracht der Flüchtlingssituation und nach Gesprächen von Außenminister Gyula Horn mit der Bundesregierung die in Ungarn befindlichen DDR-Bürger nach Österreich ausreisen. In einem Massenexodus kommen in den folgenden Wochen rd. 57 000 DDR-Bürger auf diesem Weg in den Westen.

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Zeitungen zum 02.05.1989

Neuwahlen:

Das ungarische Parlament beschließt am 21. Dezember die Selbstauflösung und ermöglicht dadurch vorzeitige Neuwahlen. Aus den ersten freien Wahlen geht am 8. April 1990 das national-konservative »Ungarische Demokratische Forum« (UDF) mit 42,75% der Stimmen als Sieger hervor. Ministerpräsident József Antall (UDF) strebt die Einführung der sozialen Marktwirtschaft und die Anbindung an die EG an. Als erstes osteuropäisches Land tritt Ungarn am 6. November 1990 dem Europarat bei.

Rehabilitierung:

Die Liberalisierung führt auch zu einer Neubewertung des Aufstands von 1956. Zum symbolischen Akt für die Wende wird am 16. Juni die offizielle Rehabilitierung des damaligen Ministerpräsidenten Imre Nagy. Der Reformpolitiker wurde 1958 als »Hochverräter« hingerichtet.