20. August 1968: Panzer stoppen Reformen in der Tschechoslowakei

20. August 1968: Panzer stoppen Reformen in der Tschechoslowakei
Einwohner von Prag mit tschechoslowakischer Flagge vor einem sowjetischen Panzer - By The Central Intelligence Agency (10 Soviet Invasion of Czechoslovakia) [Public domain], via Wikimedia Commons

+++ VOR 50 JAHREN +++

Gewaltsam schlagen Truppen des Warschauer Pakts die aufkeimende Demokratisierungsbewegung in der Tschechoslowakei nieder.

Auf ein angebliches Hilfeersuchen führender tschechoslowakischer Politiker hin besetzen Einheiten aus fünf Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts die Tschechoslowakei. Damit nimmt der sog. Prager Frühling, das Experiment eines Sozialismus mit liberalen Zügen, ein gewaltsames Ende.
Die Invasionsarmee unter dem Oberbefehl des sowjetischen Generals Iwan Pawlowski, die zu vier Fünfteln aus Einheiten der UdSSR besteht und von Verbänden aus Bulgarien, Polen, Ungarn und der DDR unterstützt wird, trifft auf Widerstand bei der Zivilbevölkerung. 50 Tschechoslowaken werden getötet. Vor allem die UdSSR beobachtete den Prager Frühling mit Sorge. Es wurde befürchtet, dass der in Prag begeistert aufgenommene Wechsel zu einem Klima geistiger Freiheit und die eingeleiteten Reformen Vorbild für das eigene Volk werden könnten.

Widerstand:
Ein landesweiter einstündiger Generalstreik am 23. August ist die spektakulärste Widerstandsaktion gegen den Einmarsch der Invasionsarmee. Die Bevölkerung folgt damit einem Aufruf des seit dem 22. August geheim tagenden 14. Parteitags der Kommunistischen Partei.

Reformstopp:
Sowjetische und tschechoslowakische Politiker vereinbaren am 26. August die Rücknahme der Reformen und den schrittweisen Abzug der Truppen des Warschauer Pakts. Das sog. Moskauer Protokoll erzwingt von der Tschechoslowakei die Wiedereinführung der Zensur und den Verzicht auf die Zulassung neuer Parteien. Die UdSSR stellt als Gegenleistung nach Erfüllung der Bedingun
gen einen schrittweisen Abzug der Truppen in Aussicht und verzichtet darauf, eine neue Staats- und Parteiführung in der Tschechoslowakei einzusetzen.
Der tschechoslowakische Staatspräsident Ludvík Svoboda hatte in Moskau darauf gedrängt, dass auch die am 21. August verhafteten und in Polen internierten KP-Chef Alexander Dubček, Ministerpräsident Oldřich Cerník und Parlamentspräsident Josef Smrkovský an den Verhandlungen teilnehmen konnten.

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Zeitungen zum 20.08.1968

Ruf nach Freiheit

Edvard Beneš (um 1942) By UnknownUnknown . Transfer; United States. Office of War Information. Overseas Picture Division. Washington Division; 1944. [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

Edvard Beneš (um 1942) By UnknownUnknown . Transfer; United States. Office of War Information. Overseas Picture Division. Washington Division; 1944. [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Tschechoslowakei nach dem Vorbild und unter dem Druck der Sowjetunion.
Die im Frühjahr 1945 durch die sowjetische Rote Armee von deutscher Besatzung befreite Tschechoslowakische Republik wurde zunächst von einer Koalitionsregierung aus Bürgerlichen und wenigen Kommunisten regiert.
Trotz einer den sowjetischen Wünschen entgegenkommenden Politik konnte Staatspräsident Eduard Beneš, der bereits von 1935-1938 Präsident war, nicht verhindern, dass die Karpato-Ukraine an die Sowjetunion abgetreten werden musste und außerdem eine Volksfrontregierung unter dem Führer der Kommunistischen Partei, Klement Gottwald, zu Stande kam.
Im Februar 1948 wurde die arbeitende Bevölkerung der Tschechoslowakei bewaffnet. Sie sollte gegen »reaktionäre und antisozialistische« Kräfte eingesetzt werden.
Nach dem mysteriösen Tod des parteilosen Außenministers Jan Masaryk am 10. März 1948 beschleunigte sich die Umwandlung in einen sozialistischen Staat nach sowjetischem Vorbild. Masaryk, der für viele eine Symbolfigur für die Demokratie war, starb nach einem Sturz aus dem Fenster seiner Dienstwohnung. Der Beitritt zum Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe verstärkte auch die wirtschaftliche Abhängigkeit von der Sowjetunion.
Die sich ab 1960 als sozialistische Republik bezeichnende Tschechoslowakei kennzeichnete seitdem eine Wirtschaftskrise und der Ruf nach geistiger Freiheit.