20. Januar 1930: Rückblick 1930 – Haager Schlussakte – Rheinlandbesatzung

20. Januar 1930: Rückblick 1930 – Haager Schlussakte – Rheinlandbesatzung
Reichspräsident Hindenburg mit Oberbürgermeister Karl Russell (links) und dem preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun (rechts) bei der Befreiungsfeier 1930 am Deutschen Eck in Koblenz - Bundesarchiv, Bild 102-10168 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 DE]

+++ EREIGNISSE VOR 90 JAHREN +++

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Zeitungen zum 20.01.1930
Der Abzug der letzten Besatzungstruppen aus dem Rheinland markiert den Abschluss einer Epoche. Innenpolitisch gerät die Weimarer Republik ins Wanken. Haager Schlussakte:

In Den Haag endet am 20. Januar die Zweite Haager Konferenz mit der Unterzeichnung der Haager Schlussakte durch die Vertreter des Deutschen Reichs und der Siegermächte des Weltkriegs. Das Abkommen basiert auf dem Youngplan von 1929 und legt die Gesamtsumme der Reparationen auf 34,5 Mrd. Reichsmark fest. Darüber hinaus wird auch die Räumung des Rheinlandes geregelt. Die Ergebnisse der Konferenz werden im Deutschen Reich keineswegs einhellig begrüßt. Die Kommunistische Partei wertet die Zahlungen als Ausdruck des »Bestrebens der Großindustrie, das deutsche Proletariat auszubeuten«. Rechte Gruppen protestieren gegen eine Verknüpfung von Reparationszahlungen mit dem Ende der Rheinlandbesetzung.

Rheinland:

Der Abzug der Besatzungstruppen aus dem Rheinland am 30. Juni wird im gesamten Deutschen Reich gefeiert. Auf sog. Befreiungsfeiern würdigen Politiker das Ereignis als Einschnitt in der Geschichte der Weimarer Republik. Rücktritt: In Berlin tritt am 27. März die letzte auf eine parlamentarische Mehrheit gestützte Regierung der Weimarer Republik zurück. Die von Hermann Müller (SPD) geführte große Koalition ist gescheitert. Das neue Kabinett unter Heinrich Brüning (Zentrum), ist vom Reichspräsidenten abhängig, weil es sich auf keine Mehrheit im Reichstag stützen kann. Unter der Leitung Brünings entwickelt sich das Regierungssystem der Weimarer Republik immer mehr von einer repräsentativen Demokratie zu einem bürokratischen Obrigkeitsstaat.

Reichstag aufgelöst:

Reichspräsident Paul von Hindenburg löst am 18. Juli den Reichstag auf, nachdem das Parlament einem Antrag der Sozialdemokraten auf Aufhebung der von Hindenburg erlassenen Notverordnung zur Durchführung der Finanzpläne zugestimmt hat. Rechtsruck: Bei den Reichstagswahlen am 14. September gelingt der NSDAP der Durchbruch. Sie stellt mit 107 Abgeordneten (+95) die zweitstärkste Fraktion hinter der SPD. Neben den Rechtsradikalen gewinnen auch die Kommunisten.