20. März 1995: Sekte terrorisiert Japan mit Giftgas

20. März 1995: Sekte terrorisiert Japan mit Giftgas
Am 20. März 1995 wurden von fünf Ōmu-Shinrikyō-Mitgliedern zur morgendlichen Hauptverkehrszeit in fünf im Bahnhof Kasumigaseki zusammentreffenden Pendlerzügen von drei Tokioter U-Bahn-Linien in Zeitungspapier eingewickelte Kunststoffbeutel deponiert, die das Nervengift Sarin enthielten. - U-Bahnhof Kasumigaseki [CC BY-SA]

+++ EREIGNISSE VOR 25 JAHREN +++

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Zeitungen zum 20.03.1995
Zwei Katastrophen, ein Giftgasanschlag und ein Erdbeben, erschüttern Japan innerhalb kurzer Zeit.

 

Giftgasanschlag:

Erstmals in der Geschichte des Terrorismus ist eine ganze Stadt das Ziel eines Attentats: In mehreren U-Bahn-Linien der japanischen Hauptstadt werden bei Anschlägen mit dem hochgiftigen Nervengas Sarin zwölf Menschen getötet und über 5000 verletzt. Der Terrorakt geht auf das Konto der Aum-Sekte, deren Anführer Shoko Asahara am 16. Mai festgenommen werden kann.

Der Verdacht, dass die Sekte Aum Shinri Kyo (höchste Wahrheit) hinter den Anschlägen steckt, verdichtet sich rasch. 25 Aum-Büros und Niederlassungen werden am 22. März durchsucht. Im Hauptquartier der Gruppe in Kamikuishiki am Fuße des Fujiyama werden große Mengen hochgiftiger Chemikalien sichergestellt, die auch zur Herstellung von Sarin verwendet werden können. Außerdem werden Waffen gefunden und Hinweise darauf entdeckt, dass die Sekte etliche ihrer Mitglieder ermordet hat.

Auf die Ermittlungen reagiert Aum mit Gewalt. Während nach den Tätern noch fieberhaft gefahndet wird, kommt es zu weiteren Anschlägen. Am 26. April kann der Sektenchemiker Masami Tsuchiya verhaftet werden. Der am 15. Mai festgenommene Aum-Geheimdienstchef Yoshihiro Inoue organisierte nach Angaben der Polizei den Anschlag in Tokio. Einen Tag später wird Sektenchef Asahara verhaftet.

Erdbeben:

Um 5.46 Uhr Ortszeit verwüstet am 17. Januar ein etwa 20 Sekunden anhaltendes Erdbeben der Stärke 7,2 auf der Richter-Skala das Gebiet um die westjapanischen Millionenstädte Kobe und Osaka. Die schwerste Erdbebenkatastrophe in Japan seit 1923 fordert nach offiziellen Angaben 6055 Tote. Über 26 000 Menschen erleiden Verletzungen. Der Sachschaden wird auf rd. 200 Mrd. DM geschätzt. Hilfe für die Erdbebenopfer kommt nur schleppend in Gang.