23. August 1939: Hitler erhält freie Hand, Stalin das Baltikum und Ostpolen

23. August 1939: Hitler erhält freie Hand, Stalin das Baltikum und Ostpolen
Moskau, 24. August 1939: Handschlag Stalins und Ribbentrops nach der Unterzeichnung des Nichtangriffspakts. - Bundesarchiv, Bild 183-H27337 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de]

+++ VOR 80 JAHREN +++

Hitler erhält freie Hand, Stalin das Baltikum und Ostpolen Zwei völlig gegensätzliche Systeme verbünden sich, um gemeinsam ihre territorialen Ziele durchzusetzen.

Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop und sein sowjetischer Amtskollege Wjatscheslaw M. Molotow unterzeichnen einen deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag, der Hitler den Angriff auf Polen ermöglicht. Ein geheimes Zusatzprotokoll teilt Europa in Interessensphären auf.

Hitler hat das Wettrennen mit Großbritannien und Frankreich um ein Bündnis mit der Sowjetunion gewonnen, Polen ist isoliert. Die Weltöffentlichkeit reagiert mit Bestürzung auf den Hitler-Stalin-Pakt. Stalin trieb seit Frühjahr 1939 ein diplomatisches Doppelspiel, in dem er sowohl den Westmächten seine Beteiligung an einem Sicherheitsabkommen in Aussicht stellte, als auch dem Deutschen Reich eine Annäherung signalisierte. Anders als die Westmächte erfüllt Hitler die Expansionsansprüche Stalins im Baltikum und in Finnland, in Ostpolen sowie im rumänischen Bessarabien.

.

Zeitungen zum 23.08.1939

Abgrenzung der Interessensphären

Im Zusatzprotokoll, von dessen Existenz die Weltöffentlichkeit nichts erfährt, regeln Berlin und Moskau ihre Einflusssphären in Osteuropa.

Der Text des Geheimprotokolls lautet (Auszüge): »Aus Anlass der Unterzeichnung des Nichtangriffsvertrages … haben die unterzeichneten Bevollmächtigten der beiden Teile in streng vertraulicher Aussprache die Frage der Abgrenzung der beiderseitigen Interessensphären in Osteuropa erörtert …: 1. Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung in den zu den baltischen Staaten (Finnland, Estland, Lettland, Litauen) gehörenden Gebieten bildet die nördliche Grenze Litauens zugleich die Grenze der Interessensphären Deutschlands und der UdSSR … 2. Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung der zum polnischen Staate gehörenden Gebiete werden die Interessensphären Deutschlands und der UdSSR ungefähr durch die Linie der Flüsse Narew, Weichsel und San abgegrenzt. Die Frage, ob die beiderseitigen Interessen die Erhaltung eines unabhängigen polnischen Staates erwünscht erscheinen lassen … kann endgültig erst in Laufe der weiteren politischen Entwicklung geklärt werden … 3. Hinsichtlich des Südostens Europas wird von sowjetischer Seite das Interesse an Bessarabien betont.«