23. Juni 1994: Massenmord in Ruanda

23. Juni 1994: Massenmord in Ruanda
Juvénal Habyarimana, 1980 bei einem Besuch in den Vereinigten Staaten. - Templeton [Public domain], via Wikimedia Commons

+++ VOR 25 JAHREN +++

Weltweites Entsetzen lösen die Massaker zwischen Hutu und Tutsi im afrikanischen Ruanda aus.

Zweieinhalb Monate nach dem Gewaltausbruch in Ruanda starten die Franzosen von Zaïre aus die Militäraktion »Türkis«, mit der sie dem Morden in dem afrikanischen Staat Einhalt gebieten wollen. Tags zuvor hatte der UN-Sicherheitsrat den französischen Einsatz gebilligt.

Flugzeugabsturz:

Auslöser der äußerst brutal geführten Auseinandersetzungen zwischen den Bevölkerungsgruppen der Hutu und der Tutsi war der Tod des ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana bei einem Flugzeugabsturz. Habyarimana regierte seit 1973 diktatorisch. Der Konflikt zwischen Hutu und Tutsi mündete 1990 zum wiederholten Mal in einen Bürgerkrieg, als Rebellen der von Tutsi dominierten Patriotischen Front Ruandas (FPR) von Uganda aus in den Norden des Landes eindrangen. 1993 wurde ein Friede zwischen FPR und Regierung vereinbart.

Gewalt:

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes von Habyarimana begannen in Kigali gewaltsame Auseinandersetzungen, die sich zu regelrechten Massenmorden ausweiteten. Vor allem den Hutu werden Massaker an Tutsi vorgeworfen. Auch aus anderen Landesteilen häuften sich Meldungen über Pogrome, bei denen allein bis Ende Mai Schätzungen zufolge 500 000 Menschen abgeschlachtet wurden. Anfang Juli nehmen die FPR-Milizen die Hauptstadt ein und erklären den Bürgerkrieg am 18. Juli für beendet. Hutu, die mit Racheakten der Tutsi rechnen, fliehen. In Zaire treffen etwa 1.7 Mio. Flüchtlinge ein.

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Zeitungen zum 23.06.1994

Hintergrund: Hutu contra Tutsi

Hauptursache der Gewalttaten in Ruanda und auch in Burundi sind seit Jahrhunderten zwischen den Bevölkerungsgruppen der Hutu und Tutsi schwelende ethnische Konflikte. Lange beherrschte die Tutsi-Minderheit das Bantuvolk der Landwirtschaft betreibenden Hutu. In Ruanda gingen die Hutu, die 1959 die Vorherrschaft der Tutsi durch einen blutigen Aufstand beendet hatten, mit äußerst brutalen Mitteln gegen die Tutsi vor. Durch Mord und Vertreibung sank der Bevölkerungsanteil der Tutsi in Ruanda um fast die Hälfte. In Burundi richteten die Tutsi, die fürchteten, ihre führende Stellung zu verlieren, 1972 unter den gebildeten und reichen Hutu ein Blutbad an, dem binnen drei Monaten 200 000 Menschen zum Opfer fielen. Auch danach kam es in beiden Staaten immer wieder zu Massenmorden. In Ruanda greifen 1994 französische Truppen ein.