25. Oktober 1929: Börsensturz am »Schwarzen Freitag«

25. Oktober 1929: Börsensturz am »Schwarzen Freitag«
American Stock Exchange 6 Monate nach dem Börsencrash 1929. Gemeinfrei

+++ VOR 90 JAHREN +++

Die Weltwirtschaftskrise, die mit dem »Schwarzen Freitag« ihren Anfang nimmt, markiert den Beginn der jahrelangen weltweiten Rezession mit Produktionsrückgang und Massenarbeitslosigkeit.

Der Sturz der durch wahnwitzige Spekulationsgeschäfte in die Höhe getriebenen Aktienkurse löst an der Wall Street Panikverkäufe aus. Der Gesamtverlust der kritischen Tage vom 23.-29. Oktober beläuft sich auf 50 Mrd. Dollar. Die Auswirkungen bleiben nicht auf die USA beschränkt. Aufgrund der Verschränkung der internationalen Kredit- und Zahlungsmechanismen ist vorhersehbar, dass auch Europa, insbesondere das labile Deutschland, empfindlich getroffen wird.

Die Papiere der großen US-Gesellschaften verlieren bis zu 40% an Wert. Neben zahlreichen Firmenpleiten werden auch Millionen von Sparern um ihre Guthaben gebracht. Als Reaktion auf den Massenansturm des Publikums schließen die Banken teilweise für mehrere Tage.

Dem Börsenkrach war eine Hausse vorausgegangen, die sich ab 1928 aufgrund hoher Liquidität entwickelte. Der Dow-Jones-Index, der u.a. die 30 wichtigsten Industrieaktien umfasst, stieg von 191 Anfang 1928 bis auf 381 im September 1929. Viele Spekulanten ließen sich in dieser Phase auf waghalsige Aktionen ein. Als Erklärung für den Crash wird daher zunächst auf die ungesunde Spekulation verwiesen. Die Ursachen für den hohen Kursverfall liegen jedoch tiefer. Die Reparationen und die Schulden der Zeit des Ersten Weltkriegs wirkten destabilisierend auf das gesamte Weltwirtschafts- und Währungssystems, da sich die USA nicht zur Gewährung langfristiger Kredit bereit erklärten In der US-Landwirtschaft kam es gleichzeitig zu einer Absatzkrise, die durch gestiegene Produktivität dank technischer Neuerungen und einer gestärkten Konkurrenz auf dem Weltmarkt verursacht wurde, Da die Industrielöhne hinter den Unternehmensgewinnen zurückblieben waren, fehlte es der Bevölkerung an Kaufkraft. Der mangelnde private Konsum führte im Sommer 1929 zu einem starken Konjunkturknick. Die Unternehmen investierten ihre Gewinne, da sich mit Spekulation kurzfristig mehr Geld verdienen ließ als in der Produktion.

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Zeitungen zum 25.10.1929

Die Reaktionen in Europa auf den Kursverfall in New York sind zunächst gedämpft. Zwar geben auch auf den europäischen Aktienmärkten die Kurse leicht nach, doch erreicht der Wertverfall bei weitem nicht das Ausmaß wie in New York. Die Tragweite der Ereignisse ist vielen noch nicht klar. Die europäischen Ökonomen registrieren allerdings deutliche Zeichen, die auf eine bevorstehende Krise hindeuten und die vor allem in der Alten Welt zu finden sind: Der Notverkauf der Österreichischen Bodencreditanstalt, der durch Übernahme verhinderte Zusammenbruch der Frankfurter Versicherungs AG und der Bankrott der Londoner Firmengruppe Clarence Hatry am 20. September sind beispielhaft.

Ausblick: Krise wird zum Schicksal Nach dem Börsenkrach steigt die Zahl der Konkurse sprunghaft an. Die Folge sind Massenentlassungen und soziale Verelendung. Ab 1930 sind die Folgen der Wirtschaftskrise in Europa unübersehbar: Mit Ausnahme von Frankreich, das erst Ende 1931 steigende Erwerbslosenzahlen meldet, wächst die Zahl der Arbeitslosen rapide an oder stabilisiert sich auf hohem Niveau. Die Schweiz meldet 1931 eine Verdoppelung der Arbeitslosenzahlen, in den USA wird die Zahl der Erwerbslosen auf 6,5 Mio. geschätzt, im Deutschen Reich steigt die Arbeitslosenzahl 1932 auf über 6 Mio. Das Deutsche Reich weist im internationalen Vergleich eine der höchsten Arbeitslosenquoten (18%) auf.