29. Oktober 1920: Expressionismus im Film

29. Oktober 1920: Expressionismus im Film
Titel des deutschen Stummfilms Das Cabinet des Dr. Caligari. - Walter Röhrig [Public domain]

+++ EREIGNISSE VOR 100 JAHREN +++

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Zeitungen zum 29.10.1920
»Der Golem, wie er in die Welt kam« und »Das Cabinet des Dr. Caligari« leiten u.a. mit ihrem besonderen Dekor die expressionistische Phase des deutschen Films ein.

Im Ufa-Palast feiert der nach Projekten aus den Jahren 1914 und 1917 dritte »Golem«-Film von Paul Wegener Premiere.

In dem Film, der im Prag des 16. Jahrhunderts spielt, wird die jüdische Legende vom Golem erzählt, einem Geschöpf aus Lehm, dem kabbalistische Magie Leben einhaucht.

Berühmt wird die von dem deutschen expressionistischen Architekten Hans Poelzig geschaffene Filmkulisse – eine aus Lehm geformte Ghettostadt mit fließenden Linien. Seine Bauten, die das mittelalterliche Prag mit windschiefen Häuschen, bizarren Dächern und engen Gassen wiedererstehen lassen, unterstützen die von dem Film in suggestiven Bildern heraufbeschworene unheilvolle Atmosphäre. Poelzig schafft mit seiner ganz besonderen Architektur eine Szenerie, die in vielen anderen expressionistischen Filmen deutscher Regisseure wiederkehrt.

Am 27. Februar wurde der expressionistisch-phantastische Film »Das Cabinet des Dr. Caligari« in Berlin uraufgeführt. Wie der »Golem« erlangt er Weltruhm. Die Wirkung beruht nicht zuletzt auf der expressionistischen Ausstattung von Architekt Hermann Warm sowie den Malern Walter Reimann und Walter Röhrig.