29. September 1938: Hitler täuscht sie alle – Das Münchener Abkommen

29. September 1938: Hitler täuscht sie alle – Das Münchener Abkommen
Von links: Chamberlain, Daladier, Hitler, Mussolini, und der italienische Außenminister Graf Galeazzo Ciano. Im Hintergrund (zwischen Hitler und Mussolini) Ribbentrop und Weizsäcker, dann rechts Saint-John Perse. Bundesarchiv, Bild 183-R69173 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

+++ VOR 80 JAHREN +++

Das Münchener Abkommen über die Abtretung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich und die Annexion Österreichs sind die herausragenden Beispiele für den Erfolg der Machtpolitik Adolf Hitlers. Die sog. Appeasement-Politik der Alliierten, die um des Friedens in Europa willen Nachgiebigkeit gegenüber faschistischen Diktaturen vorsieht, erreicht ihren Höhepunkt.

Reichskanzler Adolf Hitler, der italienische Ministerpräsident Benito Mussolini, sein französischer Amtskollege Edouard Daladier und der britische Premier Arthur Neville Chamberlain unterzeichnen ein Abkommen, das der Tschechoslowakei die Übergabe des Sudetenlandes an das Deutsche Reich auferlegt.
Zuvor hatte Hitler wegen der angeblichen Unterdrückung der deutschstämmigen Bevölkerung im Sudetenland mit Krieg gedroht. Europa, das an der Schwelle zum Krieg stand, atmet auf. Das Deutsche Reich erhält ein Territorium von 28 971,36 km2 mit 3,69 Mio. Menschen. Frankreich und Großbritannien gewinnen eine Atempause vor dem befürchteten Krieg.

Das Abkommen:
Das Münchener Abkommen sieht im Einzelnen vor, dass die Räumung durch die tschechoslowakischen Truppen am 1. Oktober beginnt. Die Besetzung der vorwiegend deutschen Gebiete beginnt am 1. Oktober. Weitere deutsche Gebiete werden etappenweise bis zum 7. Oktober besetzt. Ein internationaler Ausschuss legt die Gebiete fest, in denen eine Volksabstimmung durchgeführt werden soll und bestimmt dann die endgültige Grenzziehung. Die tschechoslowakische Regierung entlässt alle Sudetendeutschen, die dies wünschen aus Armee und Verwaltung und lässt alle sudetendeutschen politischen Gefangenen frei.
Vorgeschichte: Mit zwei Deutsch. land-Besuchen hatte Chamberlain versucht, einen drohenden Krieg um das Sudetenland zu verhindern Dabei sah er sich einem immer selbstbewussteren Hitler gegenüber. Am 15. September hatten er und Hitler in Berchtesgaden mehrere Stunden über die Sudetenfrage verhandelt. Dabei hatte Hitler eine Abtrennung des Sudetenlandes gefordert und zu erkennen gegeben, dass er andernfalls vor einem Krieg nicht zurückschrecken werde.
Chamberlain reist nach London zurück und erreicht in Verhandlungen mit Frankreichs Premier Daladier dessen Zustimmung zu einem Memorandum, worin eine Abtrefung des Sudetenlandes unter Garantie der neuen Grenzen durch Großbritannien vorgeschlagen wird. Am 21. September stimmt Prag » mit Bitternis« zu.

.

Zeitungen zum 29.09.1938

Propagandakampagne:
Währenddessen verschärft die reichsdeutsche Presse ihre häufig auf Lügen beruhende Kampagne gegen die Tschechoslowakei und die angeblichen Terrorakte gegen die deutsche Bevölkerung. Am 19. September ergeht in der Reichspressekonferenz die Weisung: »Es geht darum, zu zeigen, was für eine barbarische Nation die Tschechen sind«. Jede Nacht kommt es zu Schießereien an der Grenze. Bis zum 1. Oktober werden bei Handstreichen des vom Deutschen Reich unterstützten Sudetendeutschen Freikorps 110 Tschechen und 52 Deutsche getötet.

Ultimatum:
Auf der Grundlage des Memorandums fährt Chamberlain am 22. September wiederum nach Deutschland, stößt aber auf neue Forderungen Hitlers: Der von Chamberlain vorgeschlagene Nichtangriffspakt zwischen dem Deutschen Reich und der Tschechoslowakei könne erst geschlossen werden, wenn die Grenzprobleme zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn bzw. Polen geklärt seien. Ungarn hatte am 20. September Anspruch auf das tschechische sog. Karpato-Russland angemeldet. Aufgrund der unhaltbaren Zustände in den Grenzgebieten sowie sowjetischer Äußerungen über eine militärische Unterstützung der Tschechoslowakei müsse die Räumung des Sudetenlandes ultimativ bis zum 1. Oktober erreicht werden.

Kriegsgefahr:
Hitlers Forderungen führen zu Reaktionen der europäischen Großmächte, die einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch kriegerischer Auseinandersetzungen befürchten lassen. Als erstes Land macht die Tschechoslowakei am 23. September mobil. Hitlers Hetzrede vom 26. September im Berliner Sportpalast, in der er seinen unbedingten Willen zu einer raschen Lösung der Sudetenfrage bekräftigt, folgen die Mobilmachungen Großbritanniens und Frankreichs. Mussolini gibt einen Tag später die Mobilmachung Italiens bekannt. Auf seine Initiative hin stimmen die beteiligten Mächte dem Treffen in München zu.