30. Januar 1933: Der Anfang endlosen Leids

30. Januar 1933: Der Anfang endlosen Leids
1. Reihe sitzend, von links: Hermann Göring, Adolf Hitler, Franz von Papen; 2. Reihe stehend: Franz Seldte, Günther Gereke, Lutz Graf Schwerin von Krosigk, Wilhelm Frick, Werner von Blomberg, Alfred Hugenberg; am 30. Januar 1933 in der Reichskanzlei. Bundesarchiv, Bild 183-H28422 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

zeitung_160x180_weiss_rahmen„Es ist fast ein Traum“, schrieb Göbbels in sein Tagebuch. Nicht einmal die Größen der Nationalsozialisten hatten damit gerechnet, an die Regierung zu kommen. Doch am 30. Januar 1933 war der Nazitraum Wirklichkeit, als Adolf Hitler Reichskanzler wurde und binnen kürzester Zeit alle demokratischen Strukturen auflösen und Deutschland als totalitärer Diktator regieren konnte.
Wie war es dazu gekommen? Die Demokratie in der Weimarer Republik stand auf wackeligen Beinen. Im Reichstag waren zu viele kleine Parteien, so dass es immer schwieriger wurde, eine Regierungskoalition mit stabiler, dauerhafter Mehrheit zu bilden. Immer wieder kam es zu Neuwahlen, die aber an diesem Problem nichts änderten. Seit 1929 ernannte deswegen Reichspräsident von Hindenburg den Reichskanzler. Mit 33,1 % der Stimmen bei der Reichstagswahl im November 1932 waren Hitlers Nationalsozialisten weit von einer Mehrheit entfernt, aber doch eine Größe in der deutschen Politik. Hindenburg, der selbst kein Anhänger der Nazis war, wurde vom früheren Kanzler Franz von Papen (Zentrumspartei) und deutschen Großindustriellen überzeugt, Hitler zum Regierungschef einer konservativen Koalitionsregierung zu machen. Die Mehrheit der nicht-nationalsozialistischen Kabinettsmitglieder würde Hitler schon im Zaum halten, war Hindenburgs Hoffnung – die sich nicht erfüllen sollte.

Hitler am Fenster der Reichskanzlei in der Wilhelmstraße in Berlin bei der Entgegennahme der Ovationen der Bevölkerung am Abend des Tages. Bundesarchiv, Bild 146-1972-026-11 / Sennecke, Robert / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Hitler am Fenster der Reichskanzlei in der Wilhelmstraße in Berlin bei der Entgegennahme der Ovationen der Bevölkerung am Abend des Tages. Bundesarchiv, Bild 146-1972-026-11 / Sennecke, Robert / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Schon drei Tage, nachdem den Nazis die Macht übergeben wurde, verbot der neue Innenminister Göring alle kommunistischen Demonstrationen. Am 4. Februar wurden Presse- und Versammlungsfreiheit mittels einer Notverordnung weiter eingeschränkt. Nachdem am 27. Februar der Reichstag in Berlin brannte, begann der wirkliche Terror – politische Gegner der Nazis wurden verfolgt, gefangen, gefoltert, liquidiert. Danach ging es Schlag auf Schlag. Im März 1933 errichteten die Machthaber in Dachau das erste Konzentrationslager, der Aufbau der Geheimen Staatspolizei begann und die Auflösung der Landesparlamente läutete die Gleichschaltung des deutschen Staats ein. Im April gab es erste Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte, im Mai gingen Bücher unliebsamer Autoren in Flammen auf, ab Juni wurden die SPD und weitere Parteien verboten oder lösten sich selbst auf, und schließlich war im Juli die NSDAP die einzig verbleibende Partei in Deutschland – nicht einmal ein halbes Jahr, nachdem Hitler die Macht übergeben wurde.
Einige Historiker sprechen heute nicht mehr von Hitlers „Machtergreifung“, da der Begriff einen gewaltvollen Umsturz suggeriert. Richtiger ist, dass Reichspräsident Hindenburg den Nazis die Macht übergeben hatte, und die wussten dieses „Geschenk“ bestens zu nutzen.
In Zeiten aufstrebender, rechtsextremer Kräfte in Europa stellt sich die Frage, ob sich die Geschichte wiederholen kann. Ob wir mit der Erfahrung des letzten Jahrhunderts, geprägt von Terror, Verfolgung, Unterdrückung, Krieg und millionenfachem Tod, ob wir sicher sein können, dass die Rechten nicht wieder zu mächtig werden.