30. September 1999: Blutbad in Tschetschenien

30. September 1999: Blutbad in Tschetschenien
Russische Soldaten mit einem Schützenpanzer vom Typ BTR-80 (2000). - Svm-1977 [CC BY-SA 3.0], from Wikimedia Commons

+++ VOR 20 JAHREN +++

Zum zweiten Mal nach 1996 entsendet Moskau Truppen in die Kaukasusrepublik Tschetschenien.

Russische Truppen überschreiten die Grenze zu Tschetschenien (Zweiter Tschetschenienkrieg). Offiziell begründet der Kreml diesen Schritt mit dem Kampf gegen terroristische Aktivitäten moslemischer Rebellen. Die russische Regierung macht Tschetschenien für mehrere Anschläge in Moskau verantwortlich. Der massive Einsatz von Artillerie drängt die Rebellen immer weiter zurück. Im November bringen russische Truppen die zweitgrößte tschetschenische Stadt Gudermes unter ihre Kontrolle und erreichen im Verlaufe des Dezembers die Hauptstadt Grosny. Die Armee geht dabei auch gegen die Zivilbevölkerung vor.

Am 31. Dezember tritt Russlands Präsident Boris Jelzin überraschend zurück. Sein Nachfolger, Wladimir Putin, ist im Westen vor allem als treibende Kraft im Tschetschenien-Krieg bekannt. Einen Tag nach seiner Ernennung reist Putin, der 17 Jahre lang dem Geheimdienst KGB angehörte, zu einem Truppenbesuch nach Tschetschenien.

.

Zeitungen zum 30.09.1999

Hintergrund:

Im Ersten Tschetschenienkrieg, welcher von 1994 bis 1996 andauerte, konnte die Tschetschenische Republik Itschkerien ihre Unabhängigkeit behaupten.

Rund 400 tschetschenische Freischärler unter der Führung von Schamil Bassajew und Ibn al-Chattab griffen jedoch am 7. August 1999 die russische Nachbarprovinz Dagestan an. In diesen Kämpfen bis zum 26. August 1999 kamen rund 73 russische Soldaten ums Leben und 259 wurden verwundet. Zwischen dem 5. und 15. September 1999 griffen rund 2.000 Kämpfer den dagestanischen Bezirk Nowolakskij an und töteten mehrere hundert Menschen. Im gleichen Zeitraum kamen in Moskau und anderen russischen Städten über 300 Menschen bei Sprengstoffanschlägen auf Wohnhäuser ums Leben. Ministerpräsident Putin machte tschetschenische Terroristen für die Taten verantwortlich und erklärte ihnen öffentlich den Krieg.