4. September 1970: Marxist Allende sucht »chilenischen Weg«

4. September 1970: Marxist Allende sucht »chilenischen Weg«
Salvador Allende, der peruanische Staatspräsident Juan Velasco Alvarado und Clodomiro Almeyda, 1970 - Biblioteca del Congreso Nacional de Chile [CC BY-SA 3.0 CL]

+++ EREIGNISSE VOR 50 JAHREN +++

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Zeitungen zum 04.09.1970
Erstmals steht in Südamerika mit Salvador Allende ein frei gewählter Marxist an der Spitze eines Staates.

Der Kandidat der Unidad Popular (Volksfront), Salvador Allende, geht mit knapper Mehrheit als Sieger aus den Präsidentschaftswahlen in Chile hervor. Sein Ziel ist ein eigener »chilenischer Weg zum Sozialismus«.

Die Unidad Popular besteht aus mehreren linken Gruppierungen, u.a. der Sozialistischen Partei, der Kommunistischen Partei und der Bewegung der Vereinten Volksaktion (MAPU), einer Abspaltung der Christdemokraten. Salvador Allende gewinnt die Wahlen vor dem Kandidaten der regierenden Christdemokraten, Radomiro Tomic Romero, der massiv mit Mitteln der chilenischen Oberschicht und aus den USA unterstützt wurde, und dem früheren Staatspräsidenten Jorge Alessandri Rodriguez.

Da Allende nicht die von der Verfassung geforderte absolute Mehrheit der Wählerstimmen erhält, muss er am 24. Oktober vom Kongress zum neuen Präsidenten gewählt werden. Das Abgeordnetenhaus bestätigt seine Wahl mit 135 gegen 35 Stimmen. Sein aus Repräsentanten verschiedener Parteien zusammengesetztes Kabinett stellt er am 30. Oktober vor.

Bereits kurz nach seiner Wahl kündigt Allende Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der sozialen Lage der Bevölkerung an. Zu seinem Programm für den Aufbau des Sozialismus zählen u.a. die Nationalisierung der Bodenschätze und Grundstoffindustrien, die Beschleunigung der Bodenreform, die Verstaatlichung aller Monopolunternehmen, der Ein- und Ausfuhr sowie der Banken und Versicherungsgesellschaften.

Allendes Programm lautet »Sozialismus in Freiheit«, das heißt die Verwirklichung der notwendigen Reformen bei gleichzeitigem Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaat. Der Präsident erklärt, keine ausschließlich marxistische Politik anzustreben und die demokratischen Rechte von Opposition und Presse zu respektieren.

1971 beginnt Allende mit der Verstaatlichung von ausländischen Unternehmen der Grundstoffindustrien. Chiles wichtigste Bodenschätze sind Kupfer und Eisen. Ihr Export erwirtschaftet rd. 85% der Devisen. Dabei wird fast die gesamte Kupferproduktion, deren Anteil an der Weltproduktion 16% beträgt, von drei US-Konzernen kontrolliert.

ZUR PERSON: Salvador Allende Der Mitbegründer der Sozialistischen Partei Chiles (* 26.7.1908) war Gesundheitsminister (1939-41) und langjähriger Senator (1945-70). In den Jahren 1952, 1958 und 1964 hatte sich der als persönlich integer geltende Politiker vergeblich um die Präsidentschaft bemüht.

Während seiner Amtszeit (1970-73) destabilisiert die konservative Opposition die innenpolitische Lage. Beim Putsch rechtsgerichteter Militärs wird Salvador Allende von Armeeangehörigen ermordet ( 11.9.1973).