5. Juni 1945: Die neue Weltordnung trägt bipolare Züge

5. Juni 1945: Die neue Weltordnung trägt bipolare Züge
In einem arrangierten Foto zum Gedenken an das Zusammentreffen der sowjetischen und amerikanischen Armee stehen sich Leutnant William Robertson (US-Armee) und Leutnant Alexander Silvashko (Rote Armee) mit verschränkten Händen und Armen gegenüber. Im Hintergrund sind zwei Flaggen und ein Plakat. - Pfc. William E. Poulson [Public domain]

+++ EREIGNISSE VOR 75 JAHREN +++

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Zeitungen zum 05.06.1945
Das Ende des Zweiten Weltkriegs verändert die internationale politische Lage grundlegend. Deutschland und Japan, aber auch Großbritannien und Frankreich büßen ihre weltpolitische Geltung ein. Als allein verbleibende Großmächte kristallisieren sich die USA und die Sowjetunion heraus.

Die vier Oberbefehlshaber der alliierten Besatzungsstreitkräfte in Deutschland treffen zusammen. General Dwight D. Eisenhower (USA), Marschall Georgi K. Schukow (UdSSR), Feldmarschall Bernard Montgomery (Großbritannien) und General Jean de Lattre de Tassigny unterzeichnen eine Deklaration zur Übernahme der obersten Regierungsgewalt (5.6.1945). Sie teilen Deutschland in vier Besatzungszonen, Berlin in vier Sektoren und übernehmen alle Hoheitsrechte. Das Deutsche Reich hört nach der Kapitulation (7.5.1945) auf zu existieren. Deutschland ist als politischer Machtfaktor ausgeschaltet.

Am 9. Juli unterzeichnen die vier Siegermächte in London ein Abkommen über die Aufteilung Österreichs in vier Besatzungszonen. Die Hauptstadt Wien wird in fünf Sektoren eingeteilt. Jede der vier Besatzungsmächte erhält einen Sektor. Das Stadtzentrum, in dem sich die wichtigsten Regierungs- und Verwaltungsgebäude befinden, soll von den vier Besatzungsmächten gemeinsam verwaltet werden.

Großbritannien:

Auch das übrige Europa ist vom Krieg schwer gezeichnet. Die Kräfte Großbritanniens sind nach fast sechs Jahren Krieg völlig erschöpft, seine Vormachtstellung hat das Empire eingebüßt. Das Land steht nach Kriegsende vor dem finanziellen Zusammenbruch. Die Kriegsanstrengungen führten zu einer Verschuldung bei den USA in Höhe von 14 Mrd. Dollar. Geldentwertung und Lebensmittelverknappung sind die Folgen.

Frankreich:

Die Situation in Frankreich ist im Umbruch. Die desolate wirtschaftliche und politische Lage führt zur Stärkung der Unabhängigkeitsbewegungen in den Kolonien. Nach kräfteraubenden Rückzugsgefechten in Indochina und Birma büßt Frankreich seine Weltgeltung ein. Frankreich nimmt nicht einmal an den Konferenzen von Jalta und Potsdam teil, schließt sich aber den Beschlüssen von Potsdam am 7. August an.

Sowjetunion:

Die UdSSR geht gestärkt aus dem Krieg hervor. Zwar trug das Land phasenweise die Hauptlast des Krieges und musste den größten Blutzoll entrichten, doch reicht der Arm Moskaus nunmehr soweit, wie die Rote Armee marschiert war. Das östliche Polen und das nördliche Ostpreußen wurden annektiert, in ganz Osteuropa, auf dem Balkan und in der deutschen Besatzungszone werden kommunistische Regierungen ein gesetzt oder Umstürze vorbereitet. Durch geschickte Diplomatie und den gezielten Einsatz der Roten Armee hat sich Moskau größeren außenpolitischen Handlungsspielraum verschafft.

USA:

Die Vereinigten Staaten von Amerika, die als einzige Siegermacht von Kampfhandlungen auf dem eigenen Territorium verschont blieben, entwickeln sich zur westlichen Führungsmacht. Mit ihrer ungebrochenen Wirtschaftskraft, der verbesserten Militärtechnik und dem qualitativen Vorsprung bei den Nuklearwaffen stellen sie den ideologisch-machtpolitischen Kontrahenten der Sowjetunion dar. Zunächst die USA, später auch die Sowjetunion, dehnen ihr Engagement weltweit aus. Beide Protagonisten dominieren aufgrund ihres militärischen und wirtschaftlichen Potentials, vor allem wegen der Verfügungsgewalt über Kernwaffen, die Weltpolitik in der Nachkriegszeit.

Ostasien:

Auch im ehemaligen Herrschaftsbereich Japans werden nach Kriegsende die Weichen für die Zukunft gestellt. Das besiegte Japan wird unter US-Militärverwaltung gestellt und verliert Indonesien, Indochina, den Osten Chinas und seine Eroberungen in der Mandschurei. Südsachalin und die Kurilen erhält die Sowjetunion, das befreite Korea wird in eine amerikanische und eine sowjetische Besatzungszone geteilt. China wird wiederhergestellt und erhält Formosa (Taiwan) zurück. Im ostasiatischen Raum begünstigt die Kapitulation Japans den Aufstieg Chinas. China: Nach dem Ende des Weltkrieges und dem Zusammenbruch des gemeinsamen Gegners Japan zerbricht das Zweckbündnis zwischen der nationalchinesischen Regierung unter Chiang Kaishek und der kommunistischen Gegenregierung unter Mao Tse-tung. Gestützt auf die Sowjetunion beginnt der Vormarsch der chinesischen Kommunisten, der 1949 mit der Vertreibung der Nationalchinesen auf die Insel Formosa (Taiwan) endet. Vereinte Nationen: Auf Vorschlag des ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt kommen die Siegermächte in Jalta überein, den Gedanken einer umfassenden Weltfriedensordnung wieder aufzugreifen. Am 26. Juni 1945 unterzeichnen 51 Staaten in San Francisco die Gründungs-Charta der Vereinten Nationen (10.1.1946).