5. Juni 1945: »Stunde Null« läutet ungewisse Zukunft ein

5. Juni 1945: »Stunde Null« läutet ungewisse Zukunft ein
Die zerstörte Stadt Köln - U.S. Department of Defense. Department of the Army. Office of the Chief Signal Officer. [2] [Public domain]

+++ EREIGNISSE VOR 75 JAHREN +++

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Zeitungen zum 05.06.1945
Die Erleichterung der Deutschen, den Krieg überstanden zu haben, vermischt sich mit der Sorge vor der Zukunft und dem Misstrauen gegenüber den Besatzungsmächten.

Militärregierungen:

Nach der Auflösung der noch auf Wunsch von Adolf Hitler eingesetzten Regierung unter Großadmiral Karl Dönitz am 23. Mai übernehmen die Alliierten am 5. Juni die Regierungsgewalt und setzen am 9. Juni Militärregierungen in den Besatzungszonen ein. Es entsteht ein umfangreicher Behördenapparat zur Kontrolle des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens.

Rationierung:

Durch Kriegseinwirkung und die Vernachlässigung der Felder und Äcker im letzten Kriegsjahr ist die Versorgung mit Lebensmitteln während des gesamten Jahres kritisch. Lebensmittelkarten werden sowohl vor der Kapitulation als auch von den Besatzungsmächten ausgegeben. Am 22. Juni trifft in Bremerhaven das erste Schiff mit Lebensmitteln aus den USA ein. An Bord des Frachters befinden sich Mehl, Fett und Molkepulver. Viele Deutsche fahren aufs Land, um auf den sog. Hamsterfahrten ihre verbliebenen Wertgegenstände gegen Nahrungsmittel einzutauschen.

Kriegsgefangene:

Bei Kriegsende sind fast alle erwachsenen Männer entweder gefallen, befinden sich noch an der Front oder sind in Kriegsgefangenschaft geraten. Mit den 7,5 Mio. Soldaten, die nach dem Inkrafttreten der Kapitulation am 8. Mai ihre Waffen niederlegen, befinden sich 11,094 Mio. deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft. Davon sind 3,8 Mio. in US-amerikanischem, 3,7 Mio. in britischem und rd. 3,2 Mio. in sowjetischem Gewahrsam. Die Sorge um die Familie sowie die Aufräumarbeiten in den zerbombten Städten obliegen deshalb zum großen Teil den Frauen.

Parteien:

Der ehemalige Reichstagsabgeordnete und KZ-Häftling Kurt Schumacher initiiert am 6. Mai in Hannover die erste Neugründung eines Ortsvereins der SPD. Am 17. Juni gestattet die sowjetische Militäradministration als erste Besatzungsbehörde die Neugründung von politischen Parteien. Am 13. Juni erlässt die KPD einen Gründungsaufruf, die SPD folgt am 17. Juni. Als dritte Partei tritt in der sowjetischen Zone am 26. Juni die Christlich Demokratische Union (CDU) an die Öffentlichkeit. Ihr gehören u.a. Vertreter der früheren Zentrumspartei und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) an.